Montag, 19. Dezember 2016

Verlandung

JETZT DRAUSSEN!

Wart und Gegenwart


René Hamann: Wart und Gegenwart. Gedichte, 58 Seiten, 10,- € ("Die nummernlosen Bücher") – erscheint heute und ist ab sofort bestellbar

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Das weithin Offene eines Kaffeehauses, während ein Schiff einen geschlossenen Raum ergibt. Die Frage nach der Anzahl der Sets. Kaum Außenaufnahmen, um Geld zu sparen. Die alte Bande. Auf See jedenfalls, so geht die erste Phantasie, werden die Passagiere geil. Das Schaukeln, das Wasser, die Enge, die Weite, die begrenzte Auswahl. Im Krankenhaus, zweite Phantasie, funktioniert es ähnlich; allerdings hat es dort noch den Touch von Dominanz, von Sadomasochismus (die kalten, weißen Schwestern, die blutbesprenkelten Ärzte usw.).

Die Geschichte von dem MRT in England, die ich neulich erzählt bekommen habe, von einem Biophysiker, auf einer Einweihungsparty, auf der sogar noch ein anderer Biophysiker da war, und sogar ein Biochemiker, ich weiß nicht, ob sie stimmt. So ein MRT ist hochmagnetisch, wenn in Betrieb, was wohl regelmäßig Rollstuhlfahrer in den Abgrund zieht, respektive zieht es mit aller Macht die Rollstühle an, sie hängen dann verklemmt im Röhreneingang, Pech für den oder die, die dann noch im Rollstuhl saß ... Die Geschichte handelte aber eigentlich von einer jungen Engländerin, die vergessen hatte, ihr Zungenpiercing zu entfernen (und die MTAs, die medizinisch-technischen Assistentinnen, alle im vornehmen Grün, hatten es übersehen), woraufhin der Magnet ihre Zunge nach hinten zog, in den Hals, und sie auch nichts mehr machen konnte, das ging alles unglaublich schnell, und der Magnet war auch so stark, dass sie rasch erstickt ist, an ihrer eigenen Zunge, oder vielmehr an ihrem eigenen Zungenpiercing. Aber aus diesem Grund bekommt man ja diesen Alarmknopf in die Hand gedrückt, sagte darauf der andere Biophysiker, kann nur sein, schloss der eine Biophysiker, dass es dann schon zu spät ist.


Ich kann keine Landschaftsaufnahmen mehr sehen.
Selbstwert-Regulation, Herrschaft über Gefühle ("Das kostet mich einen Anruf").

Eine Engländerin von der Isle of Man fragte ich, was sie denn auf diese Psychologenparty führte, sie sagte, sie wäre nur ein paar Tage in Berlin auf Besuch, und ihre Freunde wären Psychologen und hätten sie einfach mitgenommen, und ich fragte im Scherz, so your friends are psychologists, and you are a patient, weil sie auch tatsächlich etwas irre auf mich wirkte, mit diesem flackernden Blick, der Aura von Absence, aber vielleicht war sie einfach nur angetrunken, zwei, drei Weißwein, oder selbst gemixte Gin Tonics, die sie mit einem Aluminiumstrohhalm ausgetrunken hatte, aber die Engländerin sagte, sie sei tatsächlich depressiv, und nannte mir auf Nachfrage ihr Antidepressivum, ein genuscheltes Wort, das ich nicht verstehen konnte, und sagte dann, dass sie zwei kleine Kinder habe, die ihr Ehemann gerade hüte, und dann löste sich die Begegnung auf -

Und während der Gastgeber umständlich ein Aluminiumbällchen entknäulte, der statt Kokain nur einen Rest Gras offenbarte, war niemand da, der Fotos hätte machen können, keine Selfies von Posen im Badezimmerspiegel mit Putzmitteln im Hintergrund oder Doppelselfies von C. als Nonne, ach, ich war ganz vernarrt in diese Bilder -

Ungefähr sechsunddreißig Stunden später setzte ich mich wieder zusammen.


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