Dienstag, 27. Dezember 2016

Offenes Weltbild

Es ist nicht gut, allein zu sein. Möchtest du nicht in meinem Buch der Liebe stehen? Möchtest du eine Seite oder ein eigenes Kapitel? Möchtest du das halbe Buch, oder der Rest von dem, was noch zu schreiben wäre?

Familienbilder: Vater und seine neue Frau vor zwanzig Jahren. Also in meinem jetzigen Alter. Rosige Gesichter.

In Ruhe Musik hören, das mache ich. Mit den Ausmaßen des Verfalls hatte ich nicht gerechnet.

"Gestern abend sind sie beide zu mir gekommen (...) Sie sahen beide so glücklich aus! Rose war so schön in ihrem hellen Kostüm mit dem weißen Hut, Rose, die ich mir hatte entgehen lassen, die zu lieben ich nicht verstanden hatte (...) vor der ich mich so bewahrt, die ich in letzter Zeit so gemieden hatte, Rose, mit der ich mich plötzlich viel verbundener fühlte, als ich je geglaubt hätte, die ich ihm durch mein Schweigen, meine Verblendung selbst in die Arme getrieben hatte, weil ich mich in dieses Zimmer einschloss, ohne zu ahnen, dass alles so weit gehen könnte (...) Ich habe Lust, mich zu betrinken; es ist noch nicht halb elf, die Pubs haben noch nicht geschlossen."
Michel Butor, Der Zeitplan


O Leichtbauweise
Dichterin zu Pferde
13 nackte Darsteller, die sexuelles Erleben performativ nachstellen

Sie setzen ihre Arbeit fort, sie sprengen auch weiterhin die Brücken hinter sich. Sie haben es kalt im Wohnzimmer.

Absurd, sich mit "Please Mr. Postman" die Ankunft neuer Nachrichten signalisieren zu lassen. Geht es im Lied doch darum, dass keine Post kommt, immer noch nicht, obwohl man schon so lange wartet.

Alle hören jetzt Health.

Vernachlässigung
Verwahrlosung
Fake News
Wintermarkt
Der GEFÄHRDER

Die Einsamkeit des Systems. Und was wird aus uns? Die Welt modelt sich um, alles kratzt und schabt, und ja, es könnte auch gut werden. Und Dagegensein hat noch nie etwas gebracht, Dagegensein wird einem nicht entlohnt, wird nicht ausbezahlt, ist keine Option.


"Der Schlussmacher", Film:
Kann sein, es ist wirklich so wie in diesem Schweighöfer-Film. Ich meine jetzt nicht die brülligen Gags. Die Abziehbilder von Deutschland. Die unhinterfragten Wahrscheinlichkeiten. Ich meine die Konstruktion von Liebe. Kann sein, es ist so, dass man nicht auf die Trennung setzen sollte. Weil man Scheidungskind ist. Nicht in die Liebe investiert. Feige ist.

Andererseits. Wirklich subversiv wäre der künstlerische Ansatz doch erst. Wenn Schweighöfer die Figur der Freundin mit einer durchschnittlich aussehenden Frau besetzt hätte. Oder einer, die weniger als durchschnittlich ist. Was der Film nämlich bedient, ist: das gewöhnliche Prinzip, das Houellebecq (oder Bourdieu vor ihm) das ökomische erotische Kapital genannt hat. Es ist leicht, zu den sexuell Attraktiven zu halten. Oder zu ihnen zurückzukehren. Sie bringen das nötige Kapital eben schon mit.

Pech ist nur. Wenn man aus dem Kapitalkreislauf geschmissen wurde. Durch Alter. Durch verändertes Aussehen. Durch finanziellen, statuellen Niedergang. Und dann in den unteren Bereichen surfen muss. Die auf der anderen Seite eben mit Schönheit gekoppelt sind. Oder vielmehr mit der Ahnung, mit der Abwesenheit von Schönheit.

Oder wenn man da draußen ist. Weil man eine Trennung hinter sich hat. Aber alle anderen, die in Frage kämen. Weil sie schön, interessant, gut etc. genug sind. Eben vergeben sind. Und vergeben bleiben. Weil Trennungen nicht mehr passieren. Nicht mehr so einfach ab 30, ab 31. Und wenn, dann Dramen sind. Weil echte Lebensentwürfe mit ihnen zu Bruch gehen. Denn ja, wer will das schon.

All das verhandelt der Film leider nicht.


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