Sonntag, 25. Dezember 2016

Frösteln

"Na, glücklich? Geht auch vorbei."
Inschrift auf Jutebeutel, Berlin 2015

Sexueller Ehrgeiz
Schon wieder täusche ich Souveränität vor
Schon wieder täuscht der Text Souveränität vor

Es kommen Verbote, es kommen Bitten, es kommen Beschwörungen. Aber ich produziere unaufhörlich weiter.

Auf ihren Namen stößt man ständig, man schürzt die Lippen, macht einen Kussmund, sobald man die Formel seit Adam und Eva liest, so ist das, wenn man eine Eva kennt.

M. dachte an Anna. Er ahnte nichts. Frederic dachte nicht an Anna. Frederic dachte auch nicht an Cheryl. Frederic wusste in diesem Augenblick, in dem er die Erschütterung seines eigenen Auftritts allmählich abstreifte, nur, dass er sich schön abzudichten gedachte. Je schöner die Frau, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den Armen eines anderen liegt, davon wusste M., der sich für das Zentrum seiner eigenen Welt hielt und noch nicht die Grenzen der Ausdehnung, die schwarzen Löcher in seinem System entdeckt hatte, noch nicht abgesaugt und ausgelaugt wurde, einfach noch nichts. Frederic grinste ihn mitleidig an. Für Frederic war er ein Jungspund. Talentiert, durchaus. Aber noch nicht ernst zu nehmen.

Die Schlagzeile EHERING AUFGEFLOGEN schreit mir vom Titelblatt einer Boulevardzeitung ins Gesicht. Ich gehe unfreiwillig in Deckung. Es ist warm, in der Wohnung allerdings nicht. Es spukt auch nicht hier, obwohl es relativ leer ist. Ich dagegen fühle mich vollgestopft. Habe ich von Prostituierten geträumt? Von Schwimmbecken?

Am dritten Tag traf ich Cyril zum ersten Mal. CYRIL VERZWEIFELT AN DER EXISTENZ GOTTES wäre auch eine schöne Überschrift gewesen, sie lautete aber anders. Das nordische Wesen in der U-Bahn erzählt von schwedischen Drinks.

Ich sitze in der Küche und höre Radio. Reiße alte Zeitschriften auseinander, auf der Suche nach alten Artikeln. Rauschhafte Schreibwut könnte einsetzen, aber das Wohnzimmer mit dem Bücherregal ignoriere ich.


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