Samstag, 17. Dezember 2016

Farbrolle

In Zeiten des Flachlandkaffees.

Fahrkartenkontrolle. Spanischer Monologist. Sitzplätze, Abhängigkeitsschema.

Hinter fast jedem Satz ein Fragezeichen.
Ey, hallo!?
Ey, was machst du?
Äh, Hausaufgaben?
Das sieht aber eher nach etwas anderem aus?
usw.

Vor ihren Augen entleerte sich der Fahrkartenautomat. Sie ging mit 90 Euro nach Hause.

Ich saß neben meiner Freundin und schrieb "Schlaf mit mir" auf Englisch auf ihr Mäppchen. Sie war sauer und übermalte es. (Es war nicht nur eine direkte Aufforderung, der sie ja auch bereits oftmals nachgekommen war, sondern auch ein geschätzter Song einer englischen Band.) Am Anfang unserer Liebe fragte sie mich einmal, welche Haarfarbe ich bei Frauen am meisten schätzte. Ich sagte, ganz hell oder ganz dunkel. Woraufhin sie sich ihre blonden Haare hellte, monatelang.

Jetzt saß sie da auf dem Bett des unsäglichen T. und trank einen billigen polnischen Schaumweinverschnitt, weil der gute Wodka nicht so ihre Sache ist.


Regin, Regina
Warten auf kein Ergebnis
Die beständigen Verhältnisse, die Politik des leeren Stuhls

Die Leute kommen nicht aus sich raus. Stundenweise offline. Die Kälte macht einen noch unbeweglicher. Man braucht ein Gegenüber, das stimmt, aber warum solltest Du das Gegenüber sein?

Der Schaum hat sich verflüchtigt, die Badewanner strahlt in schönem Keramikweiß. Aber wie kommt der Goldfisch in die Badewanne? Großvater weiß es nicht. Versteckt er sich da, wo der Stöpsel ist? Wie überlebt er von einem Bad zum anderen?

Napf.

Ich holte einen ganzen Satz Adjektive raus, um ihr die Hässlichkeit dieses Orts zu beschreiben. Sie ließ sich von der Drastik nicht beirren und glaubte mir.

Mit der Zukunft kann ich wenig anfangen.

Wieso ist das All so lila? Eine Petitesse, aber ich komme ins Witzeln. Ich komme ins Alter. Ich komme überhaupt nicht.



Eine Ahnung von Staub lag in der Luft. Wartestand im Wartezimmer. Nummern ziehen, doppelte Buchführung. Der ökonomische Druck und die Frage, ob man zwecks Klärung der Zusammenhänge in das vermeintliche Soziale der ähnlich Beschaffenen zurück soll.

Die Übung des Übergangs von der virtuellen in die reale Welt erweist sich als schwierig: normal. Vielleicht geschieht aber eben doch so etwas wie eine Wende, auch eine geistige. Ich höre Namen. Ich sitze auf dem Platz der Nachrichtenagentur und friere. Ich sehe koreanische Schriftzeichen und denke: Ich kann nicht lesen.

Ein junger Mann hält sich sein Tablet an die Backe. Er telefoniert. Wörter wie Jobcenter, Schwerbehindertenausweis und Festanstellung fallen. Eine Frau nähert sich mit einem leeren Pappbecher. Eine andere Frau isst aus einer Plastiktüte.


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