Mittwoch, 21. Dezember 2016

Drempel

Er schritt langsam auf das Universitätsgebäude zu. Die Campuswiesen strahlten in einem ehrlichen Grün. Die Stimmung wackelte, der Tag konnte jederzeit in Schieflage geraten, gerade hier auf diesem Terrain. Auf dem Campus gingen die Konkurrenten. Unauffällige junge Männer, die mit Intelligenz zu tun hatten. Die Intelligenzija. Männer in Polohemden. Mit komischen Brillen. Sie schlichen herum und knobelten Dissonanztheorien aus. Sie waren nur unwesentlich älter. Sie waren höhergestellt, jedenfalls in dieser Unterform der Meritokratie, und spürten das bis in ihre Körper hinein.

Er schlürfte eine Flüssigkeit, die aus einem dieser Stehbrunnen kam. Dann stand er etwas aufgelöst in der großen Vorhalle, in die Fahrstühle geschwebt kamen, und Treppen irgendwohin führten, und Gänge abgingen, und in der Mitte stand er neben anderen, die warteten, und aus dem Irgendwo kam Anna, einen Lift abwärts, und sie hatte ihn bereits erkannt und lächelte ihn an, goldig, ehrlich, sie freute sich, ihn zu sehen, sie wechselten ein, zwei flüchtige Sätze, danach musste sie weiter, der Tag war zu kurz, die Tage waren immer zu kurz.


Oh, immer noch Schulträume. Oh, die Namen von Mitschülern. Oh, aus der Schule ist eine Universität geworden.

Am Grundschulgelände vorbei. Erinnerungsorte (Geschlechtsverkehr hier und da). Der Pavillon wurde rückgebaut, die Hauptschule wurde aufgelöst. 

Es ist wie sich eine Freundin zu erfinden, wenn man Weihnachten nach Hause fährt.

Später sitze ich mit meinem Pannekoekgesicht vor den Fernsehwelten. Die Geschichten fangen oft so an: Habe ich gestern im Fernsehen gesehen. Lief gestern im Fernsehen. Folgt oft ungesundes Viertelwissen.

Und Männerwelten. Mitgehen, weil man die Frau kriegen will. Dann alles fallenlassen. Schnarchen in der Oper. Einschlafen beim Problemfilm. Beim Chinesen - in den Niederlanden und an der Grenze gibt es keine Japaner - zweimal einen überhäuften Teller mit FLEISCH holen.

In Holland mag man keine Autos, man hat Verkehrsphobien. Abends gehen die Spaziergänger in geschlossenen Ortschaften nicht ohne floreszierende Warnjacken. Überall Geschwindigkeitsbegrenzungen, überall "tote Polizisten", "drempels", also hohe Schwellen auf der Fahrbahn. Dafür ausgebaute Fahrradstraßen und ÖPNV. Warum aber nicht gleich den Individualverkehr ganz abschaffen?


"Ich bin der Reality Star. Ich bin berühmt für meine Wirklichkeit."
"Ich bin der Demiurg. Der Weltenbauer. Was uns jetzt vereint, wird uns auch wieder trennen."
"Du meinst: Es ist nicht auf Ewigkeit angelegt."
"Ja, genau."

"Vielleicht sollte man das einmal fotografieren, apropos Food Porn: einen Monat lang jeden Tag Fast Food. Essen aus der Tüte."

Hübsch und Auch-Hübsch sitzen nebeneinander.
Die eine beugt sich zu mir herunter, um lesen zu können, was für ein Buch ich da gerade lese. Es ist "Vergessenheit" von D.F. Wallace.

Sie schickte einen Starschnitt - einen Nacktfoto-Adventskalender: jeden Tag ein anderes nacktes Körperteil. Heute bekam er ihren linken Fuß, in Großaufnahme.


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