Freitag, 23. Dezember 2016

Die Eiskönigin

Musik zu machen war gar nicht so schwierig. Man musste nur sein Instrument beherrschen.

Todesarten: Von der Hochzeit der Tochter vorzeitig zurück ins Hotel, weil irgendwie müde. Das Stück Schokolade vom Kopfkissen nehmen, das Knitterpapier entfalten, sich die Schokolade in den Mund stecken. Noch einmal kurz im Zimmer herumgehen, vielleicht zum Fenster, um rauszuschauen oder es zu öffnen, vielleicht ins Bad. Auf dem Weg zurück zum Bett einen Hirnschlag bekommen, hinfallen, tot sein, die Schokolade noch halb im Mund.



"Ich fühle mich ausgeschlossen, Marie."
Die Eiskönigin in der Dunkelheit einer spanischen Bar. Sie schwieg mich an.

Musik, Zigaretten, Bier. Ein Projektor, der alte Filmaufnahmen auf eine Wand warf. Drei mallorquinische Mädchen, jung und eigensinnig, die nicht unbedingt auf Nähe aus waren. Und noch irgendwelche Probleme. Fehlendes Urvertrauen. Vaterverlust. Fremdheitsanfälle. Falsches Land, falsche Sprache.

Und mir blieb die Sprache stecken, ich bekam mal wieder kein Wort heraus. Und ich habe mich wirklich ausgeschlossen gefühlt. Ausgeschlossen aus der Gefühlswelt der Frau, die ich liebte. Sich ausgeschlossen fühlen, das kannte ich. Das war Teil meines Problems. Urkonflikt. Fehlendes Urvertrauen. Schwesterverlust. Fremdheitsanfälle. Falsches Land, falsche Sprache. Volles Losdröhnen aller möglichen Neurosen, da verliebt.

Sich in eine Eiskönigin verlieben und keinen Pickel zur Hand.



"Ludmilla steht am Fluss, das Licht auf dem Wasser fließt in die leuchtenden Häuser, aus denen das Licht auf den Fluss fällt.
Ludmilla steht auf einem Felsen, der Fluss ist ein schwarzheller Glanz, dass wer hinunterspringe in die kühle Klarheit."

Ja, das ist so Literaturliteratur. Natürlich lässt sich nicht viel dagegen einwenden. Das Stück ist ja auch historisch interessant, auch weil es ein Fragment geblieben ist. Ich frage mich nur, warum man das jetzt noch lesen soll. Wo es doch nicht fertig geworden ist, und vielleicht zurecht nicht. Ein zusammenhangloses Stück Literatur, das an einem halbgroßen Namen hängt (Schädlich) und durch das der alte Unrechtstaat und die Stasi und all das weht, noch einmal weht, das ganze Grauen der ostdeutschen Literatur, kurz vor dem Exodus.


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