Samstag, 31. Dezember 2016

Ende

Hier noch mal die Angabe der neusten Veröffentlichung:

René Hamann: Wart und Gegenwart
Gedichte
Parasitenpresse Köln
Dezember 2016, €10
Hier bestellbar

Außerdem im Jahr 2016 erschienen sind
Gedichte und Prosa in

Krautgarten Nr. 69
Ostragehege Nr. 82

+ Kirchenläuten (taz berlin)

Der Blog ist hiermit beendet. Er wird am 23. August 2017 gelöscht.


Schöne Verhörer: In "Can't Get You Out of My Head" von Kylie Minogue heißt es schlicht "Feel the need in me" statt, wie ich hörte, "fill the need in me". In George Michaels "Too Funky" hingegen heißt es "I'd like to think that sometime maybe tonight/ my goal's in sight, yeah!" und nicht "... mine goes inside". Trotzdem reichlich anzügliche Texte. In "Too Funky" gibt es auch zwei Sprachsamples, und der eine davon, "Would you like me to seduce you? Is that what you're trying to tell me?" ist aus "The Graduate", Die Reifeprüfung, einer meiner ewigen Lieblingsfilme.

Sie hat sie noch einmal gesehen, die Band, ein paar Tage vorher oder nachher, in Paris, in Begleitung meines besten Freundes, den sie schließlich mir vorgezogen hatte und dem diese Musik im Grunde völlig egal war. (Er brachte mir das Plakat mit, zur Erinnerung oder so. Ich hängte es in die Küche. Es sah majestätisch traurig aus.) Die Kassette ließ ich später über die Sprechanlage des Parkhauses laufen, als es wegen des Hochwassers gesperrt war, es war Weihnachten, und nur ich war da, um Aufsichtsdienst zu schieben, und so lief ich durch das leere Parkhaus und hörte diese schwermütige Musik über die Lautsprecher.




2016
Besuchte Länder: Niederlande, Italien
Trauerfälle, persönlich: Isabella Vogel, Anneliese Hamann

Am häufigsten wiedergegebene Lieder auf meinem Taschentelefon
= Jahresliste 2016:

  1. H.Gich.T: Therapie wirkt
  2. Animal Collective: Bagels in Kiev
  3. Animal Collective: Floridada
  4. Radiohead: Burn the Witch
  5. Pink Floyd: Lucifer Sam
  6. Reggie Watts: If You're Fucking, You're Fucking
  7. Travis: Sing
  8. David Bowie: Heroes
  9. Goldfrapp: Utopia
  10. PJ Harvey: The Community of Hope
Ich erinnere mich, wie sie sich entfernte, zwei Schritte nach vorn machte, um näher zur Bühne zu sein. Ein leises Gefühl von Versetzung, nicht das erste Mal von tausenden, die ich mit ihr hatte. Ich sah auf ihren Rücken und fügte mich in die wehklagende Musik, die von der Bühne kam. Die Musik dieses schönschaurigen Herbstes, in dem so viel passiert ist, eine Zeitspanne, die ich lange als sehr schreckliche in Erinnerung behielt.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Fernfahrer & Sohn

Folgen des Widerrufs
Überzogene Tabletten, Pornutopia
Offener Cardigan, offene Ladenzeilen

Atavistische Last-Minute-Produkte
Für weitere Rückfragen stehen wir Ihnen gerne per eMail [E-Mail-Adresse entfernt] zur Verfügung

"Man ahnt oft die schlimmsten Dinge oder besitzt eine Art innerer Gewissheit, dass sie zutreffen. Trotzdem kommt die Bestätigung dieser bösen Ahnung oder dieser inneren Gewissheit durch die Wirklichkeit jedesmal überraschend, und man empfindet sie genauso schmerzlich, als hätte man nie etwas dergleichen vermutet. So hatte ich im Grunde immer gewusst, dass Emilia mich nicht mehr liebte. Aber als sie mir dies jetzt sagte, fühlte ich mich zu Eis erstarren. Sie liebte mich nicht mehr: Ich hatte diese Worte oft gedacht, aber nun, da sie aus ihrem Munde kamen, gewannen sie eine ganz neue Bedeutung."
Alberto Moravia, Die Verachtung




Er strich über ihre Wade, sanft und schnell.

Es war Übertragungskummer, was er empfand, so konnte man das nennen. Das Verschwinden alter Bezüge, die fortschreitende Einsamkeit, die verlorenen Träume. Er hatte Freunde, die vor ihm das Schreiben aufgegeben hatten, aus Gründen. Erfolglosigkeit, Flucht vor der Einsamkeit, Flucht vor dem Anpassungsdruck, Flucht vor der fortwährenden Schreibtischarbeit. Und ihm war es nicht vergönnt gewesen, einen frühen Erfolg zu erzielen, dabei verliefen die meisten Karrieren so: Es gab einen frühen Erfolg, gefolgt von einer Konsolidierung, und danach ein steter Abfall, ein kontinuierlicher Abstieg. Neue, große Erfolge, etwaige Comebacks stellen sich in der Regel nicht ein, erklärte der Freund. Und er, er hatte nicht einmal den frühen Erfolg erreichen können. Er war immer noch hinterher. Jetzt, da er für den Erfolg bereit war, qualitativ und menschlich, kam er nicht.

Mit der Liebe war es ähnlich. Immer wieder unterschätzte er auch die Bewegungsarmut der anderen. Das Konservative der Libido. Die Trennungsängste. Er träumte von vergangenen Liebschaften, von der verlassenden Frau, mal in jener Vergangenheit, mal in dieser. Er achtete auf die Augenfarben, auf den Gesichtsausdruck, auf den Moment des Eindringens. Tagsüber in der Realität wunderte er sich, wie durchsichtig er geworden war, oder schon immer gewesen, wie uninteressant als Ansprech- oder Geschlechtspartner, die Verrückten einmal ausgenommen, die er als persönliche Beleidigung, als zusätzliche Demütigung empfand. Er dachte, die entscheidenden Dinge verpasst zu haben.





"Das war meine Frau. Meine Frau interessiert sich nicht für mich."
Brutalste Akzeptanz. Medizinische Gutachten.

"Ziehen Sie mir die Grundtraurigkeit raus", das hätte ich zu ihr sagen sollen. "Ziehen Sie sie wie einen Zahn."

Ich sitze im Warteraum der Neurochirurgie und lese ein Buch, das "Sterben" heißt. Mit mir sitzen fünf Menschen im Raum, zwei Paare, ein zumindest hier alleinstehender Mann. Alle vermutlich älter als ich. Das Paar links: Sie Patientin, er Support. Sie hat dunkelrot gefärbte Haare, das Rot ist dunkler als das ihrer schwarzrot-großkarierten Ska-Punk-Hose. Ihre schwarze Plastikbrille hat sie auf den Kopf geschoben, in ihrem Ausschnitt prangt ein großes, modisch passendes, also vermutlich säkulares Kreuzzeichen. Vor ihr steht ein Rollator, der auch als Wagen für Handtasche und Orangensaft dient.

Das andere Paar ist nicht so eindeutig. Eine Frau Ende 40, ein bulliger, kompakter Mann im selben Alter, vielleicht Fernfahrer. Bluejeans, ein petrolblaues Hemd mit Markenapplikation, die an eine Tankstellenkette, eine Motorölfirma o.ä. erinnert. Er ist blond, nur leicht zurückweichender Haaransatz, Pferdeschwanz, Ohrring, Armbanduhr. Backenbart, Cowboystiefel: ein Cowboy der Großstadt, vielleicht der Autobahn. Seine Freundin ist hingegen völlig unauffällig, unscheinbar.


Dienstag, 27. Dezember 2016

Offenes Weltbild

Es ist nicht gut, allein zu sein. Möchtest du nicht in meinem Buch der Liebe stehen? Möchtest du eine Seite oder ein eigenes Kapitel? Möchtest du das halbe Buch, oder der Rest von dem, was noch zu schreiben wäre?

Familienbilder: Vater und seine neue Frau vor zwanzig Jahren. Also in meinem jetzigen Alter. Rosige Gesichter.

In Ruhe Musik hören, das mache ich. Mit den Ausmaßen des Verfalls hatte ich nicht gerechnet.

"Gestern abend sind sie beide zu mir gekommen (...) Sie sahen beide so glücklich aus! Rose war so schön in ihrem hellen Kostüm mit dem weißen Hut, Rose, die ich mir hatte entgehen lassen, die zu lieben ich nicht verstanden hatte (...) vor der ich mich so bewahrt, die ich in letzter Zeit so gemieden hatte, Rose, mit der ich mich plötzlich viel verbundener fühlte, als ich je geglaubt hätte, die ich ihm durch mein Schweigen, meine Verblendung selbst in die Arme getrieben hatte, weil ich mich in dieses Zimmer einschloss, ohne zu ahnen, dass alles so weit gehen könnte (...) Ich habe Lust, mich zu betrinken; es ist noch nicht halb elf, die Pubs haben noch nicht geschlossen."
Michel Butor, Der Zeitplan


O Leichtbauweise
Dichterin zu Pferde
13 nackte Darsteller, die sexuelles Erleben performativ nachstellen

Sie setzen ihre Arbeit fort, sie sprengen auch weiterhin die Brücken hinter sich. Sie haben es kalt im Wohnzimmer.

Absurd, sich mit "Please Mr. Postman" die Ankunft neuer Nachrichten signalisieren zu lassen. Geht es im Lied doch darum, dass keine Post kommt, immer noch nicht, obwohl man schon so lange wartet.

Alle hören jetzt Health.

Vernachlässigung
Verwahrlosung
Fake News
Wintermarkt
Der GEFÄHRDER

Die Einsamkeit des Systems. Und was wird aus uns? Die Welt modelt sich um, alles kratzt und schabt, und ja, es könnte auch gut werden. Und Dagegensein hat noch nie etwas gebracht, Dagegensein wird einem nicht entlohnt, wird nicht ausbezahlt, ist keine Option.


"Der Schlussmacher", Film:
Kann sein, es ist wirklich so wie in diesem Schweighöfer-Film. Ich meine jetzt nicht die brülligen Gags. Die Abziehbilder von Deutschland. Die unhinterfragten Wahrscheinlichkeiten. Ich meine die Konstruktion von Liebe. Kann sein, es ist so, dass man nicht auf die Trennung setzen sollte. Weil man Scheidungskind ist. Nicht in die Liebe investiert. Feige ist.

Andererseits. Wirklich subversiv wäre der künstlerische Ansatz doch erst. Wenn Schweighöfer die Figur der Freundin mit einer durchschnittlich aussehenden Frau besetzt hätte. Oder einer, die weniger als durchschnittlich ist. Was der Film nämlich bedient, ist: das gewöhnliche Prinzip, das Houellebecq (oder Bourdieu vor ihm) das ökomische erotische Kapital genannt hat. Es ist leicht, zu den sexuell Attraktiven zu halten. Oder zu ihnen zurückzukehren. Sie bringen das nötige Kapital eben schon mit.

Pech ist nur. Wenn man aus dem Kapitalkreislauf geschmissen wurde. Durch Alter. Durch verändertes Aussehen. Durch finanziellen, statuellen Niedergang. Und dann in den unteren Bereichen surfen muss. Die auf der anderen Seite eben mit Schönheit gekoppelt sind. Oder vielmehr mit der Ahnung, mit der Abwesenheit von Schönheit.

Oder wenn man da draußen ist. Weil man eine Trennung hinter sich hat. Aber alle anderen, die in Frage kämen. Weil sie schön, interessant, gut etc. genug sind. Eben vergeben sind. Und vergeben bleiben. Weil Trennungen nicht mehr passieren. Nicht mehr so einfach ab 30, ab 31. Und wenn, dann Dramen sind. Weil echte Lebensentwürfe mit ihnen zu Bruch gehen. Denn ja, wer will das schon.

All das verhandelt der Film leider nicht.


Sonntag, 25. Dezember 2016

Frösteln

"Na, glücklich? Geht auch vorbei."
Inschrift auf Jutebeutel, Berlin 2015

Sexueller Ehrgeiz
Schon wieder täusche ich Souveränität vor
Schon wieder täuscht der Text Souveränität vor

Es kommen Verbote, es kommen Bitten, es kommen Beschwörungen. Aber ich produziere unaufhörlich weiter.

Auf ihren Namen stößt man ständig, man schürzt die Lippen, macht einen Kussmund, sobald man die Formel seit Adam und Eva liest, so ist das, wenn man eine Eva kennt.

M. dachte an Anna. Er ahnte nichts. Frederic dachte nicht an Anna. Frederic dachte auch nicht an Cheryl. Frederic wusste in diesem Augenblick, in dem er die Erschütterung seines eigenen Auftritts allmählich abstreifte, nur, dass er sich schön abzudichten gedachte. Je schöner die Frau, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den Armen eines anderen liegt, davon wusste M., der sich für das Zentrum seiner eigenen Welt hielt und noch nicht die Grenzen der Ausdehnung, die schwarzen Löcher in seinem System entdeckt hatte, noch nicht abgesaugt und ausgelaugt wurde, einfach noch nichts. Frederic grinste ihn mitleidig an. Für Frederic war er ein Jungspund. Talentiert, durchaus. Aber noch nicht ernst zu nehmen.

Die Schlagzeile EHERING AUFGEFLOGEN schreit mir vom Titelblatt einer Boulevardzeitung ins Gesicht. Ich gehe unfreiwillig in Deckung. Es ist warm, in der Wohnung allerdings nicht. Es spukt auch nicht hier, obwohl es relativ leer ist. Ich dagegen fühle mich vollgestopft. Habe ich von Prostituierten geträumt? Von Schwimmbecken?

Am dritten Tag traf ich Cyril zum ersten Mal. CYRIL VERZWEIFELT AN DER EXISTENZ GOTTES wäre auch eine schöne Überschrift gewesen, sie lautete aber anders. Das nordische Wesen in der U-Bahn erzählt von schwedischen Drinks.

Ich sitze in der Küche und höre Radio. Reiße alte Zeitschriften auseinander, auf der Suche nach alten Artikeln. Rauschhafte Schreibwut könnte einsetzen, aber das Wohnzimmer mit dem Bücherregal ignoriere ich.


Freitag, 23. Dezember 2016

Die Eiskönigin

Musik zu machen war gar nicht so schwierig. Man musste nur sein Instrument beherrschen.

Todesarten: Von der Hochzeit der Tochter vorzeitig zurück ins Hotel, weil irgendwie müde. Das Stück Schokolade vom Kopfkissen nehmen, das Knitterpapier entfalten, sich die Schokolade in den Mund stecken. Noch einmal kurz im Zimmer herumgehen, vielleicht zum Fenster, um rauszuschauen oder es zu öffnen, vielleicht ins Bad. Auf dem Weg zurück zum Bett einen Hirnschlag bekommen, hinfallen, tot sein, die Schokolade noch halb im Mund.



"Ich fühle mich ausgeschlossen, Marie."
Die Eiskönigin in der Dunkelheit einer spanischen Bar. Sie schwieg mich an.

Musik, Zigaretten, Bier. Ein Projektor, der alte Filmaufnahmen auf eine Wand warf. Drei mallorquinische Mädchen, jung und eigensinnig, die nicht unbedingt auf Nähe aus waren. Und noch irgendwelche Probleme. Fehlendes Urvertrauen. Vaterverlust. Fremdheitsanfälle. Falsches Land, falsche Sprache.

Und mir blieb die Sprache stecken, ich bekam mal wieder kein Wort heraus. Und ich habe mich wirklich ausgeschlossen gefühlt. Ausgeschlossen aus der Gefühlswelt der Frau, die ich liebte. Sich ausgeschlossen fühlen, das kannte ich. Das war Teil meines Problems. Urkonflikt. Fehlendes Urvertrauen. Schwesterverlust. Fremdheitsanfälle. Falsches Land, falsche Sprache. Volles Losdröhnen aller möglichen Neurosen, da verliebt.

Sich in eine Eiskönigin verlieben und keinen Pickel zur Hand.



"Ludmilla steht am Fluss, das Licht auf dem Wasser fließt in die leuchtenden Häuser, aus denen das Licht auf den Fluss fällt.
Ludmilla steht auf einem Felsen, der Fluss ist ein schwarzheller Glanz, dass wer hinunterspringe in die kühle Klarheit."

Ja, das ist so Literaturliteratur. Natürlich lässt sich nicht viel dagegen einwenden. Das Stück ist ja auch historisch interessant, auch weil es ein Fragment geblieben ist. Ich frage mich nur, warum man das jetzt noch lesen soll. Wo es doch nicht fertig geworden ist, und vielleicht zurecht nicht. Ein zusammenhangloses Stück Literatur, das an einem halbgroßen Namen hängt (Schädlich) und durch das der alte Unrechtstaat und die Stasi und all das weht, noch einmal weht, das ganze Grauen der ostdeutschen Literatur, kurz vor dem Exodus.


Mittwoch, 21. Dezember 2016

Drempel

Er schritt langsam auf das Universitätsgebäude zu. Die Campuswiesen strahlten in einem ehrlichen Grün. Die Stimmung wackelte, der Tag konnte jederzeit in Schieflage geraten, gerade hier auf diesem Terrain. Auf dem Campus gingen die Konkurrenten. Unauffällige junge Männer, die mit Intelligenz zu tun hatten. Die Intelligenzija. Männer in Polohemden. Mit komischen Brillen. Sie schlichen herum und knobelten Dissonanztheorien aus. Sie waren nur unwesentlich älter. Sie waren höhergestellt, jedenfalls in dieser Unterform der Meritokratie, und spürten das bis in ihre Körper hinein.

Er schlürfte eine Flüssigkeit, die aus einem dieser Stehbrunnen kam. Dann stand er etwas aufgelöst in der großen Vorhalle, in die Fahrstühle geschwebt kamen, und Treppen irgendwohin führten, und Gänge abgingen, und in der Mitte stand er neben anderen, die warteten, und aus dem Irgendwo kam Anna, einen Lift abwärts, und sie hatte ihn bereits erkannt und lächelte ihn an, goldig, ehrlich, sie freute sich, ihn zu sehen, sie wechselten ein, zwei flüchtige Sätze, danach musste sie weiter, der Tag war zu kurz, die Tage waren immer zu kurz.


Oh, immer noch Schulträume. Oh, die Namen von Mitschülern. Oh, aus der Schule ist eine Universität geworden.

Am Grundschulgelände vorbei. Erinnerungsorte (Geschlechtsverkehr hier und da). Der Pavillon wurde rückgebaut, die Hauptschule wurde aufgelöst. 

Es ist wie sich eine Freundin zu erfinden, wenn man Weihnachten nach Hause fährt.

Später sitze ich mit meinem Pannekoekgesicht vor den Fernsehwelten. Die Geschichten fangen oft so an: Habe ich gestern im Fernsehen gesehen. Lief gestern im Fernsehen. Folgt oft ungesundes Viertelwissen.

Und Männerwelten. Mitgehen, weil man die Frau kriegen will. Dann alles fallenlassen. Schnarchen in der Oper. Einschlafen beim Problemfilm. Beim Chinesen - in den Niederlanden und an der Grenze gibt es keine Japaner - zweimal einen überhäuften Teller mit FLEISCH holen.

In Holland mag man keine Autos, man hat Verkehrsphobien. Abends gehen die Spaziergänger in geschlossenen Ortschaften nicht ohne floreszierende Warnjacken. Überall Geschwindigkeitsbegrenzungen, überall "tote Polizisten", "drempels", also hohe Schwellen auf der Fahrbahn. Dafür ausgebaute Fahrradstraßen und ÖPNV. Warum aber nicht gleich den Individualverkehr ganz abschaffen?


"Ich bin der Reality Star. Ich bin berühmt für meine Wirklichkeit."
"Ich bin der Demiurg. Der Weltenbauer. Was uns jetzt vereint, wird uns auch wieder trennen."
"Du meinst: Es ist nicht auf Ewigkeit angelegt."
"Ja, genau."

"Vielleicht sollte man das einmal fotografieren, apropos Food Porn: einen Monat lang jeden Tag Fast Food. Essen aus der Tüte."

Hübsch und Auch-Hübsch sitzen nebeneinander.
Die eine beugt sich zu mir herunter, um lesen zu können, was für ein Buch ich da gerade lese. Es ist "Vergessenheit" von D.F. Wallace.

Sie schickte einen Starschnitt - einen Nacktfoto-Adventskalender: jeden Tag ein anderes nacktes Körperteil. Heute bekam er ihren linken Fuß, in Großaufnahme.


Montag, 19. Dezember 2016

Verlandung

JETZT DRAUSSEN!

Wart und Gegenwart


René Hamann: Wart und Gegenwart. Gedichte, 58 Seiten, 10,- € ("Die nummernlosen Bücher") – erscheint heute und ist ab sofort bestellbar

Hier mehr: https://parasitenpresse.wordpress.com/2016/12/19/rene-hamann-wart-und-gegenwart/
Hier zu kaufen: https://parasitenpresse.wordpress.com/buchladen/


Das weithin Offene eines Kaffeehauses, während ein Schiff einen geschlossenen Raum ergibt. Die Frage nach der Anzahl der Sets. Kaum Außenaufnahmen, um Geld zu sparen. Die alte Bande. Auf See jedenfalls, so geht die erste Phantasie, werden die Passagiere geil. Das Schaukeln, das Wasser, die Enge, die Weite, die begrenzte Auswahl. Im Krankenhaus, zweite Phantasie, funktioniert es ähnlich; allerdings hat es dort noch den Touch von Dominanz, von Sadomasochismus (die kalten, weißen Schwestern, die blutbesprenkelten Ärzte usw.).

Die Geschichte von dem MRT in England, die ich neulich erzählt bekommen habe, von einem Biophysiker, auf einer Einweihungsparty, auf der sogar noch ein anderer Biophysiker da war, und sogar ein Biochemiker, ich weiß nicht, ob sie stimmt. So ein MRT ist hochmagnetisch, wenn in Betrieb, was wohl regelmäßig Rollstuhlfahrer in den Abgrund zieht, respektive zieht es mit aller Macht die Rollstühle an, sie hängen dann verklemmt im Röhreneingang, Pech für den oder die, die dann noch im Rollstuhl saß ... Die Geschichte handelte aber eigentlich von einer jungen Engländerin, die vergessen hatte, ihr Zungenpiercing zu entfernen (und die MTAs, die medizinisch-technischen Assistentinnen, alle im vornehmen Grün, hatten es übersehen), woraufhin der Magnet ihre Zunge nach hinten zog, in den Hals, und sie auch nichts mehr machen konnte, das ging alles unglaublich schnell, und der Magnet war auch so stark, dass sie rasch erstickt ist, an ihrer eigenen Zunge, oder vielmehr an ihrem eigenen Zungenpiercing. Aber aus diesem Grund bekommt man ja diesen Alarmknopf in die Hand gedrückt, sagte darauf der andere Biophysiker, kann nur sein, schloss der eine Biophysiker, dass es dann schon zu spät ist.


Ich kann keine Landschaftsaufnahmen mehr sehen.
Selbstwert-Regulation, Herrschaft über Gefühle ("Das kostet mich einen Anruf").

Eine Engländerin von der Isle of Man fragte ich, was sie denn auf diese Psychologenparty führte, sie sagte, sie wäre nur ein paar Tage in Berlin auf Besuch, und ihre Freunde wären Psychologen und hätten sie einfach mitgenommen, und ich fragte im Scherz, so your friends are psychologists, and you are a patient, weil sie auch tatsächlich etwas irre auf mich wirkte, mit diesem flackernden Blick, der Aura von Absence, aber vielleicht war sie einfach nur angetrunken, zwei, drei Weißwein, oder selbst gemixte Gin Tonics, die sie mit einem Aluminiumstrohhalm ausgetrunken hatte, aber die Engländerin sagte, sie sei tatsächlich depressiv, und nannte mir auf Nachfrage ihr Antidepressivum, ein genuscheltes Wort, das ich nicht verstehen konnte, und sagte dann, dass sie zwei kleine Kinder habe, die ihr Ehemann gerade hüte, und dann löste sich die Begegnung auf -

Und während der Gastgeber umständlich ein Aluminiumbällchen entknäulte, der statt Kokain nur einen Rest Gras offenbarte, war niemand da, der Fotos hätte machen können, keine Selfies von Posen im Badezimmerspiegel mit Putzmitteln im Hintergrund oder Doppelselfies von C. als Nonne, ach, ich war ganz vernarrt in diese Bilder -

Ungefähr sechsunddreißig Stunden später setzte ich mich wieder zusammen.


Samstag, 17. Dezember 2016

Farbrolle

In Zeiten des Flachlandkaffees.

Fahrkartenkontrolle. Spanischer Monologist. Sitzplätze, Abhängigkeitsschema.

Hinter fast jedem Satz ein Fragezeichen.
Ey, hallo!?
Ey, was machst du?
Äh, Hausaufgaben?
Das sieht aber eher nach etwas anderem aus?
usw.

Vor ihren Augen entleerte sich der Fahrkartenautomat. Sie ging mit 90 Euro nach Hause.

Ich saß neben meiner Freundin und schrieb "Schlaf mit mir" auf Englisch auf ihr Mäppchen. Sie war sauer und übermalte es. (Es war nicht nur eine direkte Aufforderung, der sie ja auch bereits oftmals nachgekommen war, sondern auch ein geschätzter Song einer englischen Band.) Am Anfang unserer Liebe fragte sie mich einmal, welche Haarfarbe ich bei Frauen am meisten schätzte. Ich sagte, ganz hell oder ganz dunkel. Woraufhin sie sich ihre blonden Haare hellte, monatelang.

Jetzt saß sie da auf dem Bett des unsäglichen T. und trank einen billigen polnischen Schaumweinverschnitt, weil der gute Wodka nicht so ihre Sache ist.


Regin, Regina
Warten auf kein Ergebnis
Die beständigen Verhältnisse, die Politik des leeren Stuhls

Die Leute kommen nicht aus sich raus. Stundenweise offline. Die Kälte macht einen noch unbeweglicher. Man braucht ein Gegenüber, das stimmt, aber warum solltest Du das Gegenüber sein?

Der Schaum hat sich verflüchtigt, die Badewanner strahlt in schönem Keramikweiß. Aber wie kommt der Goldfisch in die Badewanne? Großvater weiß es nicht. Versteckt er sich da, wo der Stöpsel ist? Wie überlebt er von einem Bad zum anderen?

Napf.

Ich holte einen ganzen Satz Adjektive raus, um ihr die Hässlichkeit dieses Orts zu beschreiben. Sie ließ sich von der Drastik nicht beirren und glaubte mir.

Mit der Zukunft kann ich wenig anfangen.

Wieso ist das All so lila? Eine Petitesse, aber ich komme ins Witzeln. Ich komme ins Alter. Ich komme überhaupt nicht.



Eine Ahnung von Staub lag in der Luft. Wartestand im Wartezimmer. Nummern ziehen, doppelte Buchführung. Der ökonomische Druck und die Frage, ob man zwecks Klärung der Zusammenhänge in das vermeintliche Soziale der ähnlich Beschaffenen zurück soll.

Die Übung des Übergangs von der virtuellen in die reale Welt erweist sich als schwierig: normal. Vielleicht geschieht aber eben doch so etwas wie eine Wende, auch eine geistige. Ich höre Namen. Ich sitze auf dem Platz der Nachrichtenagentur und friere. Ich sehe koreanische Schriftzeichen und denke: Ich kann nicht lesen.

Ein junger Mann hält sich sein Tablet an die Backe. Er telefoniert. Wörter wie Jobcenter, Schwerbehindertenausweis und Festanstellung fallen. Eine Frau nähert sich mit einem leeren Pappbecher. Eine andere Frau isst aus einer Plastiktüte.


Donnerstag, 15. Dezember 2016

Akute Phase

Offenes Finale, eine E-Mail vom Mars
Hüftabwärts verblüht

"Dahin ist mein Traum."
"This shit is universal."


Sie waren älter geworden, ihnen wuchs Asche aus den Köpfen. Mädchenhafte Psychologinnen, die unvermittelt alt aussahen. Mit übergroßen Ohrringen, die ihnen die Ohren schwer machten. Schon wieder eine Psychotherapeutin, die nichts mit Depressiven anfangen konnte, ich hatte das alles doch irgendwie schon einmal erlebt -
 

Text falsch, Text falsch gelesen, Text falsch aufgeschrieben.
Nicht jede Kuh kann gemolken werden.
Unsere Wirtschaft stirbt.

Ein rostiger Geschmack auf der Zunge, draußen Bildschirmsonne. Stecke in Arbeit und Gedanken, immer zwischen Ring und Libertinage, always.

Sich einlassen, auf genau noch eine Stunde. Verlustängste einkassieren, um sich frei in unendliche Bindungen zu stürzen.

Issues. Creds. All that shit.  



Er weinte am Morgen. Er war untröstlich. Er sah keinen Ausweg, er wusste nicht mehr, was er tun sollte, sagte er.

Eigentlich wird viel zu wenig von Ab- und Zurückweisungen erzählt. Natürlich gibt es Konflikte in den Liebesgeschichten, die erzählt werden, im Fernsehen, im Kino, aber Geschichten, die von Zurückweisungen handeln, gibt es selten. Er erinnerte sich an Ansagen, die sie machte. An die von der Freundschaft, die mehr zähle als ein eventuelles Begehren seinerseits. Dein Begehren ist nichts wert, so der Subtext, alles, was zählt, ist die Freundschaft. Ein weiteres komisches Missverhältnis. Natürlich stellte sich später heraus, dass es mit der Freundschaft auch nicht weit her war.

Gestern in der Zeitung: Auf der einen Seite die Geschichte der Julia Zange, deren Eltern (!) eine einstweilige Verfügung (!) gegen ihren ROMAN (!!) eingereicht haben sollen. (Wann sollen sie sich in den Figuren wiedererkannt fühlen, wenn nicht jetzt? Wann werden die Stellen auf sie zurückprojiziert, wenn nicht jetzt? Und ist es wirklich KUNSTFREIHEIT, um die es auf der Gegenseite geht? Ist es nicht auch die FREIHEIT DER REDE, die FREIHEIT DER KRITIK, um die es geht - Persönlichkeitsrechte und Fiktion hin oder her?) Und auf der anderen Seite die Klage der Kunstredakteurin darüber, dass ein Roman mit dem Echtnamen einer Künstlerin in einem Roman Schindluder betreibt, um sich eventuell für eine Zurückweisung zu rächen.


Wie so oft hilft das Horoskop aus Welt Kompakt: "Krisenstimmung, weil Venus Ihnen nicht hold ist. Leicht kommt es zu Machtkonflikten. Weit und breit kein Flirt in Sicht."

Inbegriff aller Spießigkeit: Die Unkosten der Pille gemeinsam tragen. Dass das auch etwas von kleiner, legaler Prostitution hat, geht den Beteiligten nicht auf.

Die Vivian Maier in mir. Jahresbotschaft der geistigen Welt. Klimademenz I-III. "Leistung entsteht aus Vertrauen und Freude und nicht aus Druck."

Draußen nur Spinnen. Sage ich etwas, ohne es selbst mitzubekommen? Alle anderen verhalten sich normal. Also versuche ich, möglichst nonchalant aus der Wäsche zu schauen.

Man stelle sich vor: Ein Kind, das vor den nachbarlichen Wohnwagen kackt, weil es in der Morgendämmerung nicht weiß, wo sich auf dem Campingplatz die Toiletten befinden. Die in dem Wohnwagen fühlen sich diffarmiert und reisen ab.

Das schöne Blau. Ich werde es Sonntagabend wieder sehen. Das schöne Blau.







Dienstag, 13. Dezember 2016

Abriss

Ich spreche mit der Parkuhr, der Fluch
des starken Geschlechts

Dieses Haus wiederholt sich. Gründe
der Deformation.

Korrodierende Kräfte
aus privaten Gründen exemplarisch

und leidend, was natürlich
für das Weltklima ein großes Problem sein wird

Aber in der Krise trifft man keine
wichtigen Entscheidungen, Lena und Leonie

Ein Abend, der in die Beine geht
Ein Haus namens untergehende Sonne

Abriss, verbogene Biografie
Rekonvaleszenz und Dezenz



Ich erschreckte: Ich sah ihren nackten Oberschenkelknochen, sie war tatsächlich stripped to the bone.

All die einsamen Orgasmen. So unzählig mal so oft wie gemeinsame, wobei mit "gemeinsame" nicht synchrone gemeint sind. Sondern Orgasmen mindestens in Anwesenheit eines anderen Körpers. Liebesdiskurse auf der Streckbank. Magische Hände. I guess I'll be hunting high & low.

Im Grunde war es ein wenig wie mit Grace Kelly zu schlafen. Oder mit Kim Novak. Sie sah eher aus wie Grace Kelly, und nur ihre spröde Art und ihr sichtbares Übergewicht hielten die anderen davon ab, sich auf sie zu stürzen.

Kammermusik.

Immer wenn sich niemand meldet, meldet sich J. Und fragt nach einem Bier an. Und immer antworte ich: Hm, tut mir leid, heute nicht. Vielleicht morgen?

Dringende Antworten, belanglose Augen. Es knackt im Gebälk. Der deutsche Botschafter verlas eine Botschaft.

Immer steht da genau ein attraktives Mädchen bei denen mit dem Wachtturm in der U-Bahn-Zwischenstation. Sie fischen nach Gläubigen. Dabei ist der Impuls, den man hat: Sie da herauszuholen. Mit Sex. Sinnloses Unterfangen, vermutlich.

Die Feuersteins:
- Sie dürfen nicht hier rein! Für Mädchen kein Zutritt!
- Aber ich bin kein Mädchen, ich bin eine Frau!
- Frauen sind nur älter gewordene Mädchen!

Rücksprünge. Wie schön eigentlich auch die Zeit, als ich DAS FAMILIENDUELL auf RTL zum Frühstück schauen konnte. Jeden Morgen um 11. Manchmal bekam ich nur noch das Finale mit.
Und zur Nacht dann EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE. Und zum Abschluss noch MARY TYLER MOORE. Glückliche Fernsehjahre.

Weihnachtsmärkte, für die man Eintritt zahlen muss. Leute, die wie Weihnachtsgeschenke aussehen. Jung und klug, geschickt und wohlgekleidet.


Sonntag, 11. Dezember 2016

Das Seewetteramt Hamburg teilt mit

Ich habe mein Herz verloren, an einer Stelle, an der niemand war. Ich habe mein Herz in der vollkommenen Einsamkeit verloren. In der Wüste der Existenz.

Irgendwie spröde, wie ich auch manchmal
oder wild an den trachtvollen Tagen

in störenden Kleidern, ohne Handwaschgelegenheiten
und ohne Brief, aber was mir bliebe wäre die Musik

Ich probierte ein Kompliment. Kirschcreme. Fahrten. Darum geht es doch: Einmal noch das Mädchen zu kriegen. Einmal noch.




I am Random People, stand auf dem Button an ihrem Revers.
Sie trug vaginaförmige Ohrringe.

Sie zeigte mir ihre Uhr. Sie zeigte nur geringe sexuelle Energie an. Aber, immerhin, sie tropfte. Sonderbewetterung, hieß das. Das Behandlungszimmer hatte sie nicht unter Wasser, sondern konsequent unter Haare gesetzt. Es war erstaunlich, wie sie mich als Patienten betrachtete - oder ich sie. Aber klar, am Ende, bevor es zu Liebe kommen konnte, ging ich wieder. Und nahm irgendein Buch mit.

Konterkultur. Geld ist Geld.

Niemand lernt jemanden kennen, erläuterte sie. Man lernt niemanden kennen, wenn man ins Theater geht. Wenn man sein Auto an der Tankstelle tankt. Wenn man auf eine Lesung geht. In eine Vernissage. Niemand lernt jemanden auf einem Konzert kennen, auf einer Party, im Café. Niemand lernt jemanden auf einer Redaktionssitzung kennen, in einer Garage, auf einem Parkplatz, auf einem Spielplatz, im Sand, am Strand. Niemand lernt jemanden im Museum kennen, auf einer Pressekonferenz, im Stadion, oder auch nur im Bus dorthin. Niemand lernt jemanden auf einer Sonnenbank kennen, in der Umkleidekabine, auf dem Gehweg, im Kiosk, in der Christmette, im Supermarkt, im Kaufhaus. Niemand lernt jemanden im Netz kennen, auf der Uhr, im Weltall. Niemand lernt jemanden auf dem Laufband kennen, im Tunnel, im Musterprozess, auf der Anklagebank, auf dem heiligen Stuhl, in der Zwischenwelt, im Paralleluniversum, in der Nachtapotheke, im Betrieb, auf der Bank, in der Schublade.

Sie können sich den Text jetzt auch weiter vorstellen.



Wir hielten an einer Straßensperre. Noch aus dem Wagen heraus verhandelten wir mit den wie üblich stoischen Sicherheitsbeamten, die schwarze Baseballkappen unterschiedlicher amerikanischer Teams trugen. Ich wedelte mit meinem Presseausweis, Alea gab sich als Tourismusbeauftragte zu erkennen, aber viel weiter kamen wir nicht. Also parkten wir am Abgrund, stiegen aus, schauten uns um. Die Zeit wurde weich, so heiß war es. Strahlend blauer Himmel. Über den Bergen jedoch sah es ganz anders aus. Eine gigantische Rauchsäule streckte sich in die Höhe, was ein wenig aussah, als hinge eine gigantische Jogginghose aus dem All herunter. Oben in den Bergspitzen brannte es fürchterlich. Mehrere Löschflieger waren im Einsatz. Wendige Sportflugzeuge mit Bäuchen, die Meerwasser aufsaugten und auf die brennenden Wälder sprühten, was sich ein wenig ausnahm, als würden Touristen versuchen, die Brände auszupusten oder mit kleinen, grünen Gießkannen für den Balkon zu löschen.





Freitag, 9. Dezember 2016

Saalschutz

Speicher. Im Hintergrund die Berge und der giftgrüne Fluss. Keine Zäune im Maul, aber Spracherwerb generieren. Eine Körperhülle, die so schön ist, dass sie hässlich gemacht werden muss. Ich habe von Ameisen geträumt und weiß nicht, was das bedeutet. Ich kenne mich auch mit der analen Phase nicht so aus.

Ich gehe ins Theater. Am Theater mag ich den Geruch. Nicht den Staubgeruch von der Arbeitsbühne, sondern den süßlichen Geruch, der kurz vor der Vorstellung in der Luft liegt, da, wo das Publikum sitzt. Theaterduft, der Duft der Frauen, Parfüm, Duschgel, Puder, was auch immer es ist.
Und wenn die Saaltüren geschlossen werden, das ist, als ob ein Schiff ablegt, als ob es heißt: Leinen los!


Es war spät geworden, aber kaum kühler. Wir fuhren mit heruntergelassenen Fenstern zurück. Über uns strahlten die Straßenlaternen ihr erstes müdes Licht auf den Asphalt. Vor uns lag eine bräunlich schimmernde Landschaft, die an ihren Rändern das Meer berührte. Ich sah Alea von der Seite an und begann, von der Pressekonferenz zu erzählen. Davon, dass wir schon morgen womöglich gezwungen sein würden, die Insel zu verlassen. Alea nickte und sagte nichts. Was wäre deine nächste Station? fragte ich. Kehrst du nach Madrid zurück? Sie antwortete, das wisse sie noch nicht. Dann wieder Schweigen. Ich dachte an meine Heimat, an die Redaktion, an die Frau, die ich vor Jahren geheiratet hatte, und dass mir der Grund dafür schon lange entfallen war. Eine kinderlose, in Alltagskonflikten verlorene Ehe, die schon wesentlich länger währte als nötig. Eine Verbindung, die auf Erinnerungen und einem offiziellen Status basierte. Es war das erste Mal, dachte ich, dass mir eine Rückkehr derartig absurd erschien, und dass ich trotz aller Umstände – die Brände, die unklare Lage – lieber auf der Insel bleiben würde.



Sie schob sich eine Klammer ins Haar. Dann schaute sie mich an, ohne weiter zu sprechen, mit einem alles offen lassenden Blick, sie hatte eine zweite Klammer in der Hand, die sie sich in den Mund steckte, um auch diese Hand frei zu haben.

"Sind wir in der Zeit?" fragte sie dann.
"Hm? Was?"
"Sind wir noch in der Zeit?"
"Das weiß ich nicht."
Sie nahm die Klammer aus dem Mund, steckte sie an die dafür vorgesehene Stelle, zog die Lippen in den Mundraum zurück, um sie zu befeuchten.

Ein Spuk bildete sich. Ein feuchter, synästhetischer Spuk, der mit Lubrikation zu tun hatte, mit feuchtem Taumel, während sie redete, irgendetwas in einem dunklen Farbton, dem ich nur halb zuhören konnte, des stärker werdenden Winds wegen, wegen dem luftigen Lärm. Kurz war es, als ob sie in eine andere Sprache gewechselt wäre, zurück ins Spanische, ich staunte sie von der Seite an und musste mich konzentrieren, dann verstand ich: Sie redete von der Tourismusbehörde, für die sie arbeitete, und dabei ging es um den Tourismusminister, und dann wieder um die Engländerin, deren Name Silvia lautete, Mitarbeiterin im britischen Außenministerium, ich nickte nur, obwohl ich schockiert war. Im Wesentlichen konnte ich nicht anders, als ihr permanent auf den Mund zu starren, der dunkelrosa war, so geschwungen, so voll.

Ganz hinten am Firmament wurde der Himmel schwarz.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Das Gegenteil von Rosa

Die Frau mit den haselnussbraunen Augen. Die Frau aus dem Wald, das Gegenteil von Rosa. Mit diesem etwas schief hängenden Blick, als ob sie einem immer auf den Mund schauen würde, und nicht in die Augen. Was natürlich die Begierden weckt. Und die Brille auf der Hälfte der Nasenlänge.

Ihr Telefon summt wie eine Wespe.
Ihr sexuelles Kapital strahlt nicht so üppig wie sie denkt. Sie sitzt in der Wohnung und denkt nach. Kann eine Abweisung Genugtuung verschaffen?
Von oben kommt Techno, wild und stumpf.

Eine Familie mit unüberlegter Wohnung.

Alea hatte aber kaum ein paar Worte über ihre Freundin verloren, da erschien diese schon. Sie wirkte freundlich und hell, sie umarmte uns, während wir sitzen blieben, und setzte sich neben Alea. Sie wirkten vertraut miteinander. Für einen Moment schien mir die Situation merkwürdig banal zu sein. Dann stieg eine Magie auf, je älter der Moment wurde. Vielleicht lag es an der Luft, die immer noch satt und schwül war.

Alea und Silvia tauschten sich auf Englisch über Hotelbesitzer und das Fotografieren von Mahlzeiten aus. Ich drehte mich weg, während sie sich näher zu kommen schienen. Ich schaute etwas wehmütig auf die Ränder des Meers. Dann sah ich wieder die beiden Frauen an, die helle Engländerin, die mir ein, zwei Seitenblicke gönnte, ein wohlwollende Neugier, und die Frau aus Madrid. Ich hätte sie gern aus dem Meer steigen sehen. Und wen hätte ich lieber aus dem Wasser kommen sehen? Alea oder Silvia? Beide, dachte ich jetzt, beide.

Leichter Regen setzte ein. Schon bald wurde er stärker.

Eine sensorische Schwellenverstellung, also, wenn alles so laut wird zum Beispiel, man hört das Summen der Fliegen im Nebenzimmer, Vergangenheit als tote Fliege. Ein Schnellschuss ist da tatsächlich keine so gute Idee. Oder schwermütige Orgelmusik, die von drüben herüber dröhnt, etwas windschief. In einem Fensterausschnitt daneben sieht man Beine, Füße in Socken, sich im Kreis bewegen. Sie laufen los, sie halten ein. Das Organigramm, lerne ich, ist ein Kofferwort.

Frauen lauern überall.
"Du Gerät."
There is always someone cooler than you.

Dichterisches Lumpenproletariat, schreibt Bolaňo an einer Stelle.
Danke, antwortet V. auf meine Geburtstagswünsche.
Ich denke an die Zeit, als ... Dann denke ich: Führen diese Gedanken irgendwohin? Nein, im Moment nicht. Die Egosau T., die kämpferische, renitente R., die romantische Karrieristin N., der neidische B., den anderen stilistisch, literarisch unterlegen (was er nicht sich, sondern den anderen übelnahm): dafür zuerst sozialer, sozial kompetenter, verknüpfter, mit seinen Verbindungen in die Szenen in Übersee; ich denke an seinen Geburtstag, vielleicht seinen 30., den er in irgendeinem Laden, in irgendeiner dieser Neuköllner Kaschemmen feierte, zu dem er alle seine Freundinnen, Freunde und Kollegen eingeladen hatte, und alle sind sie gekommen, zahlreich saßen sie da an einer langen Tafel und hatten Geschenke mitgebracht, die auch nicht zu knapp waren, sondern reichlich; und am Ende zahlte B. keinesfalls die Rechnung, oder einen Teil, oder überhaupt irgendwas, oh nein, jede/r musste seines selbst bezahlen. Man kann sagen: Er ließ sich feiern. Das war ein Bruch, vielleicht der erste, aber keinesfalls der letzte.


Montag, 5. Dezember 2016

Von den toxischen Verbindungen

Da ging ihm plötzlich auf: Im Grunde war sie wesentlich glücklicher mit dieser Affäre als er. Schließlich hatte sie, wenn auch nur gelegentlich und vermutlich zu selten, Sex mit dem Mann, den sie liebte. Noch dazu konnte sie sich dabei der Illusion hingeben, selbst geliebt zu werden, wenn auch nur für den Moment. Er hingegen hatte gelegentlich Sex mit einer Frau, die er nicht liebte, was ihn meist nur halb befriedigt zurückließ. Dass er Sex mit einer Frau hatte, die ihn liebte, konnte ihn nur geringfügig über die Schmach und Blamage hinwegtrösten, von den Frauen, die er liebte, geliebt hatte oder vielleicht liebte, nicht geliebt zu werden, nicht einmal körperlich. Er kam, so gesehen, mit einem Bedürfnis aus Mangel und ging mit einer verdoppelten Leere. Dass er dazu moralisch auf der schlechten Seite gestanden zu haben schien, erschien ihm endlich wie ein Hohn. Es ist schwierig, ganz schwierig mit dem Glück.

Krankenhausluft, aufgeschüttelte Kissen.
Eine Bananenschale lag da wie eine Ehefrau.

Was die einen Psychotherapie nennen, nennen die anderen Coaching.
Ich mache in Romanen, ich bekomme unleidige Post von Ämtern.

Lidzucken. Ich arbeite mich in den Abend vor.
Ich erobere den Abend. Ich erobere den Abend wie ein älter werdendes Kind.
Wie ein Kind am Vorabend der Jugend. Wie ein junger Jugendlicher.

Ich möchte zurück.
Ich möchte zurück in den Autoscooter. In den Autoscooter mit F. neben mir.
Die mir auf Italienisch sagt.
Dass sie glücklich ist.

SONO FELICE.

Es wird in ä-Lauten kommuniziert.
Das sind Väter, Väter berühren nicht.


Ich war noch nicht müde, also beschloss ich, in der Nähe des Hafens noch irgendwo etwas zu essen. Ich spürte, dass sich eine unbestimmte Bedrohung näherte. Dass die Evakuierung der Insel nur eine Frage von Stunden sein dürfte. Gut, rechnete man die Unfähigkeit der Behörden dazu, eine von Tagen. Auf der Straße sah ich keinen Menschen. Die Luft war weich und anschmiegsam. Am einzig geöffneten Imbiss kaufte ich mir eine Dönertasche. Ich setzte mich auf einen Mauervorsprung, schaute nach dem Mond, der sich hinter einer Wolkendecke versteckt hielt, kaute und dachte an Alea. An ihre Zärtlichkeit, die sie mir heute, nach der ersten berauschten Nacht, vorenthalten hatte, an ihren Geruch, an ihre Haut, an ihre leicht nach außen weisenden Brüste.

Woran entzündet sich eine Leidenschaft? Ich sah auf die sich im stärker werdenden Abendwind schaukelnden Palmen und dachte an die Ausläufer des Feuers, die verkohlten Felder in den Bergen, an die ausgebrannten Autowracks, die ich vor etwa einem halben Jahr in der Nähe der Redaktion gesehen hatte. Die Autokennzeichen waren noch lesbar gewesen, die Marken auch, es waren Mittelklassewagen, die völlig ausgebrannt, zerfleddert, zerstört waren. Ein überaus hässlicher Anblick.



Samstag, 3. Dezember 2016

Malware

Konventionelle Unterlegenheit in einer Höhle aus Haaren.
"Ich werde gerade gefickt, muss aber noch diesen Text schreiben ..."

Warteschleife nicht als Analogie, sondern als Realerfahrung. Als die Waschmaschine endlich da ist, werden erneut Versicherungsgründe vorgeschoben. Ich wollte aber den ganzen Service! Oh, leider Buchungsfehler. Den Rest vom Service gibt es dann am Dienstag. Wir rufen Sie an.

Im Lieblingscafé hielt man mich heute für den Bassisten von Seeed.


In der Nacht schlafe ich alleine. Alleine in der Kammer. Ich höre die Mäuse trapsen, ich höre die Waschmaschine, die im Keller rotiert. Ich betrachte die leere Liege neben mir. Eine Nacht für mich. Eine Nacht mit der Leselampe. Ich möchte mein Leben in Ordnung bringen. Ich führe ein Vielfachleben. Mit vielfacher Buchführung. Ich versuche, Räume zu finden, die sich nicht zu überschneiden drohen, Plätze zu finden, Ausweichmöglichkeiten. So kann es nicht weiter gehen. Es gibt keine Antworten, es gibt nur Alternativen. Ein Satz aus einem Lehrfilm. Natürlich denke ich auch an das Gespenst. An seine Krankheiten. An die Rückzugsmomente. Ich denke an den General, von dem es heißt, er habe kürzlich einen Nervenzusammenbruch erlitten und sei für mehrere Monate freigestellt worden. Ich schlafe schlecht. Irgendwann schrecke ich von einem schlimmen Traum auf. Aber es ist nichts. Ich sehe noch eine Weile in die Leselampe, beschließe, bald, morgen oder übermorgen schon, wieder nach Hause zu fahren, schalte die Lampe ab und schlafe wieder ein.


Mein Bewusstsein will nicht mehr radfahren.
Tod eines Kritisierten. Don't dream it's over.

Schlager, zunehmend amerikanisiert.
Die geheimen Geräusche. Die Wanne, die Wanne. Gewichtsverluste der Extremisten.
Und überall liegen Abschiede herum.

Die Verbindung muss stimmen. Als ich in der MRT-Röhre lag, gab es keine Musik, nur den rüden Techno der Maschine.
Ich sollte sie also wiedersehen.

Er sah die Straße entlang und fand wohin. Bildungsbeflissen und erlösungsbemüht.
"Sehen Sie sich das Bild nochmals an. Ist es verschwunden?"
"Im Ganzen ja, aber dieses Detail sehe ich noch."

"Gerade durch Nachrichten (...) drohen Ereignisse (...) zu verschwinden. Gerade durchs Hi-Fi droht die Musik zu verschwinden. (...) Gerade durch die Pornographie droht die Sexualität zu verschwinden."
Jean Baudrillard, Das Jahr 2000 findet nicht statt, 1990




Donnerstag, 1. Dezember 2016

Warnung vor dem Bösen

Ich wollte mein Leben in Ordnung bringen. Ich habe kein Problem mit Nacktheit. Aber ich bin ständig müde und rieche nach Putzmitteln.

Verlorene Eier, spirituelle Kurzgeschichten.

"Ich bin in vielerlei Hinsicht nicht individuell, finde das ganz gut, und das macht mich erfolgreich", sagt Ildiko von Kürthy, eine den Fotos nach überraschend gutaussehende Frau, und ihr Name ist auch echt. Sie ist also stolz auf ihre Durchschnittlichkeit.

Sie heiratete in Dunkelblau.
Ihren spröden Ehrgeiz versteckte sie unter einer protestantisch gefärbten Verklemmtheit. Sie wollte wichtig, sie wollte etwas Besonderes sein, gleichzeitig stimmte etwas nicht, vielleicht in ihrer Selbstwahrnehmung, vielleicht war es das Verklemmte, das sie hinderte, wirklich weit nach vorne zu kommen. Das drückte sich schon in ihrem Stil aus: Perlenkette, Oberteile wie aus den fünfziger Jahren, eine Scheu etwas zu tragen, das allgemein als cool galt; die Ponyfrisur, die eckige Brille, die sie auf der Nase hatte. Eine Distinktion, die sich subtil oder unbewusst weigerte, wirklich distinguiert zu sein. Klassenzeichen und Unsicherheit. Und so blieb ihr nur die Rolle der Organisatorin, der am eigentlichen kreativen Prozess nur sekundär Beteiligten, mit Ausflügen nach oben und nach unten; der Chefin, die ihr eigenes Reich zu beherrschen suchte, in einer Form, die ihrer Kontrollsucht angemessen war. Dass um sie herum an ihr gelitten wurde, erkannte sie nicht.



Die Schokolade tut französisch. Dabei schmeckt sie irgendwie ranzig.

Am Morgen sprang dann die Kette ab, als ich über die Kabelbrücke fuhr.

Die Konfliktlotsen irren müde über den Kontaktfriedhof. Serielle Monogamie. Nachfrageschwache Bücher, Mittelpriorisierung. Leistungsloses Einkommen.

Hier werden weitere Kämpfe gemeldet.
"Der Knoten löst sich nicht, my darling/ schade um die Tränen in der Nacht."

Die hält privat, die hat voll die Chiller-Küche
Immerhin weiß ich jetzt wenigstens wieder, was mein Typ ist

Ich könnte nach New York ziehen, eine Amerikanerin daten, und von da aus weiter schreiben.
Über einen Freund, der es mit meiner Freundin trieb. Er saß in meinem Zimmer und wollte mit mir darüber reden. Das hast du dir selbst zuzuschreiben, das sind allerdings seine Worte. Ein Double-bind, das ich schon von ihr, meiner Freundin, kenne. Es macht mich wütend: Ich verliere einen Freund, ich verliere die Frau, die ich liebe, und soll auch noch selbst daran schuld sein! Na danke.

Sie verschwinden im Auto. Die, auf die man immer noch wütend ist. Die anderen, bei denen man einfach nicht weiß, warum sie verschwinden.

Ein ganzer Bahnsteig mit gesenkten Köpfen.
Alle schauen auf ihre Displays.

Alle schauen in die Mülleimer. Die Erfindung des Flaschenpfands ist die Erfindung einer Beschäftigungstherapie für die ganz abgehängte Klasse. Die Erfindung des Flaschenpfands ist die Erfindung einer unteren, parasitären Subindustrie. In jeden Mülleimer wird öfter hineingeschaut, als dass etwas hineingeworfen wird.

Ich wartete geduldig, bis ich mein benutztes Taschentuch entsorgen konnte.

Fristverlängerung. Haubentaucher. Die Expertise von Lichtplanern.

Sie pumpen dich an. Sie entschuldigen sich. Sie telefonieren laut und dramatisch in der U-Bahn-Station. In einer Fremdsprache. Und dann deconnecten sie wieder.

Ein Mann schaffte sich einen Kratzbaum an, obwohl er keine Katze hatte. Er fand, das sehe schmuck aus. Das würde seinem Wohnzimmer gut stehen. Nachts träumte er, dass seine Frau, die neben ihm lag, im Schlaf redete. Sie sagte etwas von "Wir sind Meinung", sie sagte: "Das ist der auslösende Moment", sie sagte "Grünflächenamt".