Freitag, 4. November 2016

Unterlegt mit sanfter Energie

Der Auftrag war so gut wie erledigt. Frau K. war instruiert, genügend Nähe aufgebaut worden, die anderen würden sich in der Welt verstreuen, manche, die meisten, würde ich nie wieder sehen. Und ich konnte endlich das Forsthaus hinter mir lassen.

Auch dachte ich, während wieder einmal ein Film auf die nackte Wand im Gesellschaftszimmer geworfen wurde, diesmal war es ein Film über zwei Bilderbuchfamilien, die sich in einem Urwald verlaufen hatten, und ihre Versuche in Kannibalismus, nach einer Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe, dass die Prämisse fehlerhaft gewesen war, denn blindes Engagement war keinesfalls wünschenswert, im Gegenteil, es konnte sich im ungünstigen Fall gegen den Investor wenden; es stimmte schlicht nicht, um es kurz zu fassen, dass man mehr rausbekam, je mehr man reinsteckte, denn nicht alle Operatoren funktionierten nach dieser Regel, manche waren so gewitzt, alles investierte Kapital eigennützig zu verbrauchen und sich etwaige Gegenleistungen nach Möglichkeit zu schenken, respektive gab es bei manchen nicht einmal den Horizont, an so etwas wie Gegenleistungen überhaupt zu denken.

Diesmal saß ich alleine auf einem Stuhl, von der Chaiselongue mit Herrn und Frau Kundera wohltuend entfernt, und rieb mir den Bauch. Während der letzten Tage hatte ich unter Verdauungsproblemen gelitten. Zwei warme Mahlzeiten pro Tag und der übliche Feierabendunsinn. Ich hatte zugenommen. Ich hatte seit Tagen in keinen Spiegel gesehen.

Jack Kerouac, On the Road (doch endlich beendet):
"... schaltragende Indios musterten uns unter Hutkrempen und Rebozos hervor. Alle streckten uns die Hände hin. Sie waren aus den entlegeneren und höheren Bergen hinabgestiegen, streckten die Hände nach etwas aus, das sie von der Zivilisation erwarteten, und hätten sich deren Trauer und armselige, zerstörte Illusionen nicht träumen lassen. Sie wussten nicht, dass es jetzt eine Bombe gab, die all unsere Brücken und Banken sprengen und wie bei einem Lawinenabgang zu Kleinholz machen konnte, sodass wir eines Tages genauso arm wären wie sie..."

Weiteres Buch, das ich zum zweiten Mal lese: Max Frisch, Homo Faber. Bin vom Stil überrascht, hätte es mir verstaubter vorgestellt. Und wieder, wie bei Walsers Pferd, kann ich mich kaum erinnern (Homo Faber mit 16 zum ersten Mal gelesen, ca. 1988).

Eine Beerdigung, auf der "Apache" von den Shadows gespielt wird.

"Bitte lest diesen Text...": Im Grunde kann das über JEDEM Text stehen. Denn das ist das, was Texte wollen: GELESEN WERDEN.


»Eigentlich hatte ich einen weiblichen Gast erwartet. Eine Frau, die ich kürzlich kennen gelernt habe, auf der Fahrt zum Konzert von Adam Green. Eine Schickse, mit Sommersprossen überall, und einer streichzarten Honigstimme. Wir haben uns im Auto kennengelernt, in Davids Kleinwagen, saßen einträchtig nebeneinander, sangen alles mit, hörten uns dann das Konzert an und verschwanden danach in die Bürgerlichkeit. So hätte es jedenfalls sein sollen. Aber jetzt hat sie abgesagt. Von einer Telefonzelle aus.«
»Kennengelernt in den Redaktionen der Welt, in der Umkehrung einer Schraube, auf dem Weg zum Damenklo, in einem VW Polo auf dem Weg zum Konzert, zu den nächtlichen Klängen eines Windspiels. Eine Hellblonde mit Perlenohrringen, mit Gleichgewichtsstörungen und einem Vaterkonflikt. Damals, als wir noch hautperfektionierend waren, in einer Regionalsenderwirklichkeit unterwegs, damals, presented by Heimwerkerzentrum Köln-Buchholz, kurz vor der Selbstversöhnung.«
»Sie sieht aus wie eine Schwedin. Normal groß, normale Figur, und so hellhäutig, ich könnte sterben. Aber sie bräuchte etwas mehr Blau in den Augen.«


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