Dienstag, 29. November 2016

Strände des Widerstands

Abends zwischen Licht
Strategien der Wurfsendung

Verrauschte Kassetten, irgendetwas Klassisches.
Zeit. Das Geräusch, das Zeit macht, die vergangen ist.

Er hatte ein Paralleluniversum aufgetan; er hatte es entdeckt, war aber leider dort hineingefallen. Ein irgendwie endloser, zweidimensionaler Raum. Er würde nie wieder dort herauskommen. Endlose Zeit, endlose Einsamkeit. Er war in einem Paralleluniversum gefangen.

2028, das Jahr, in dem erstmals ein Roboter einen Wimbledonsieger im Tennis schlug.





Wir wissen, dass soziale Kontrolle und Evaluation zu einer allgemeinen Hemmung von Kreativität und also zu Konformismus und also zu Stagnation und nachfolgend zu Regression führt. Wir wissen, wo der Bartel den Pfeffer fängt. Sprachfindungsstörungen, Krisenländer, ein Buch mit katalanischen Ortsnamen, es gibt da zum Beispiel den Ort Das, den ich gern mal besuchen würde. Es gibt auch Cervia. Und Flix. Und Albufeira, was ungefähr eine Lagune bezeichnet.

Schlafdefizite, Trauerfälle, Gegoogelte. Die Phantasie von Gelingen, das gevögelte Über-Ich, das Ameisennest eines Betriebs. Heute ist ein freier Tag. Bekanntschaften, die irgendwann in die private Rubrik "Was macht eigentlich... " fallen. Das Berliner Wetter wird besser, das Viertel schleichend aufgewertet, aber die kaputte Arbeiterklasse gibt es hier immer noch, die Frage bleibt auch, wo sie denn hingehen, die Armen. Wo gehen sie hin?

Wir tickern das dann. 


Wir bestellten Pernod, und während sie mir erzählte, dass sie aus Madrid kam, und berufliche Gründe sie her geführt hatten, sie machte nämlich, sie lachte trocken, in Tourismus, schaute ich in ihre harten braunen Augen, in ihr makelloses Gesicht, das nach einer perfekten Oberfläche für Projektionen aussah und einer endlosen Reihe von Verehrern. Ich fragte mich, ob sie oft angesprochen wurde im Laufe einer Woche, ob sie nicht schon verheiratet war, wie viele Männer sie schon gehabt hatte. Sie erzählte von einer Freundin, die sie versetzt hatte, von den Schiffen, die nicht mehr auf den Kontinent fuhren, von den Streiks auf den Flughäfen. Sie wirkte freundlich und offen, während ich allmählich verschlossener wurde. Je größer mein Interesse wurde, desto größer wurde mein Schweigen, ein altes Muster. Ich bekam kaum noch den Mund auf, außer um zustimmende Signale oder verbalisierte Fragezeichen zu äußern. Und während sie von ihrer Arbeit als Organisatorin erzählte, und mich dabei aufmerksam anschaute, hörte ich gar nicht mehr richtig zu, sondern versuchte, mir ein Bild von Madrid zu machen, von ihrem Leben dort, von einem Alltag in einer kleinen oder großen Wohnung mit Blick auf eine der vielen Prachtstraßen, ein weißes Haus in einer heißen Stadt, weit vom Meer entfernt.

Ihr Akzent lag merklich neben denen, die ich aus dem Fernsehen oder von spanischen Kollegen kannte. Ihre großen Augen schauten über ihr Glas hinweg, während es um uns herum immer dunkler wurde, und die Atmosphäre allmählich entspannter. Einmal setzte sie mitten im Satz aus, nippte an ihrem Glas und verschluckte sich. Und strahlte mich dann an. Überhaupt, dachte ich, wirkte sie nervöser als ich, was ich für ein gutes Zeichen hielt. Und sie hielt den Blick mit diesen zu großen braunen Augen und redete weiter über ihren Auftrag, über Urlaub im Allgemeinen, von künstlichen Zeitzonen, die geschaffen worden waren, um Erholung zu ermöglichen, Erholung von der üblichen Zeit, die bald wieder einsetzte, aber bis dahin wurden wir in einer Warteschleife gehalten.

Die Santa Maria im Hafen von Barcelona, 1978

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