Donnerstag, 3. November 2016

Spooky Republic

Das schöne Nachrichtendeutsch: Mehrere Beamte verließen mit Kartons das Haus der Frau.

Der Fisch, der lieber eine Angel wäre. Dass man immer Grenzen setzen muss. Bevor man verschluckt wird. Oder ausgesaugt. Erst fragt sie, ob ich einmal heiraten möchte. Später sagt sie, ich wirke eher wie ein Typ, der Affären habe.
Die weibliche Skepsis.

Effektive Mikroorganismen. Das therapeutische Abstinenzgebot (schade). In der Wundersaison eine letzte Runde Zumba Gold. Das Gold steht für: Seniorinnen und Senioren.

Ich nehme ein reinigendes Blutbad. Paradoxer Nachruf: Er lebte für die Nachhaltigkeit.

3 Varianten: Ich gehe zu Bett (ca. 1910), ich gehe ins Bett (normal), ich geh na Bett (Niederrhein).




Stadt ohne Jugend.
Totberuhigte Innenstädte. Eine Stadt, die schon seit Jahren in ein riesiges Seniorenheim mit Auslaufzone umgebaut wird. Schleichende Umnachtung überall. Welt, die immer kleiner wird, bis man sich auf seiner Burg vor Gespenstern verschanzen muss. Umso erstaunlicher, dass auf den Burgen, die hier bezogen werden, AfD-Fahnen wehen. Denn: Wer soll die in Bälde Hinfälligen einstmals pflegen? Ihre verlorenen Söhne? Wohl kaum. Ich sehe da eher Überweisungen und Planstellen, die mit ehemaligen Flüchtlingen besetzt werden.
Arbeitsmarktpolitik.
Die Gehemmten, die Hemmenden. Was sie können, ist Mangel produzieren.
Totberuhigte Innenstädte. Migration sollte besonders dort eigentlich höchst willkommen sein, denn ansonsten sind das shrinking cities, absterbende Landstriche.
Diskursive Rückzugsmanöver, Verschanzung. "Das deutsche Volk". Ach herrje.
Burg ohne Rapunzel, die noch irgendwie ihr Haar herablassen könnte. Burg, von der aus die Windmühlen zu sehen sind, gegen die es anzukämpfen gelte. Solange das Burgtor überhaupt noch heruntergelassen werden kann.
Hinter der Windmühle wartet der Friedhof. Die Gräber sind ausgehoben, sie sind feucht und warm.
Wenigstens die.


Stephan Groetzner, Tote Russen. Ich mag das immer noch. Dass er nach all den Jahren noch mal wo aufgetaucht ist, und das sogar recht erfolgreich, gefällt mir ebenfalls. Damals saßen wir zusammen in der Kölner Autorenwerkstatt, obwohl es völlig vermessen ist, von einem Wir zu sprechen. Er saß halt da und las seine schrullig-witzigen Texte vor, und ich saß auch da und las andere Texte vor. Zu den Ausgehleuten, der Peer Group, in der ich mich bewegte, gehörte er nicht. Jetzt schreibt er ein Buch voller kleiner skurriler Geschichten und nennt darin alle seine Einflüsse, die toten Russen eben: Gogol, Puschkin, Tschechow (!), Dostojewski, Tolstoi. Die russischen Romantiker. Den größten Einfluss nennt er, soweit ich gelesen habe, jedoch nicht: Daniil Charms. Mich aber legt er nicht herein.

Gefühle, mit denen man zurechtkommen muss. Abweisungen, Niederlagen, der Narzissmus der dritten Reihe. Ich bin etwas besorgt, ich habe Angst. Was besorgt mich? Was genau macht mich so traurig? Später denke ich: Das ist das Leben. Vielleicht ist ja genau das das Leben. Diese ganze Gefühlsscheiße. Ich bin nur halt relativ neu in der Schule der Empfindsamkeit. Nach all den verlorenen Jahren.

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