Samstag, 12. November 2016

Pas de Cádiz

Ich war so erleichtert, als der entscheidende Anruf kam, morgens im Hotel Morales, ich hatte mir schon Hotels in Cádiz angeschaut, das außergewöhnlich voll zu sein schien. Da rief Carlos zurück. Carlos, der Reiseleiter von Schauinslandreisen, einem Reiseunternehmen, dem ich in aller Ewigkeit dankbar sein werde für die spontane Reaktion, die problemlose Abwicklung, die geringen Zusatzkosten. Auf dem Weg zum Busbahnhof in Ronda, den ich fast nicht gefunden hätte, brach ich in Tränen aus. Ich war so erleichtert. Knapp zwei Stunden Geschaukel im Bus, dröhnende Betäubung, dann mit dem Bus zum Flughafen. Eine leere Abfertigungshalle, ein Schalter, der noch geschlossen war. Ich ging zur Toilette und kam wieder, da standen zwei am Schalter, eine Frau und er, Diego, der mir mit einer vielleicht mirakulösen Geste die neuen Papiere überreichte, und ab in den Flieger nach Mallorca. Dort Umstieg in den Flieger nach Berlin. Während der Flieger nach Mallorca voller lärmender Kinder war, war der Flieger nach Berlin voller wunderlicher RentnerInnen.

Die 120 Tage von Málaga
Selbstporträt als blöder Hund
Überall habe ich Schmerzmittel versteckt


Eine Spanierin redet unablässig im Nebenzimmer. Vielleicht telefoniert oder skypet sie. Raum 205, meine Hausnummer. Es ist 0.44 Uhr, Valentinstag ist vorbei. Letzte Nacht gegen zwei Uhr war weibliches Stöhnen zu hören. Eine andere Frau, sie stöhnte gleichmäßig, ohne Steigerung, dafür recht lange. Wie man überhaupt immer nur die Frauen hört. Männer stöhnen nicht.

Have love, will not travel

Something's Got to Give

Der Hals meiner Mutter, den ich lustvoll küsse im Traum, halbinzestuös
In der Nacht zuvor vom Sex mit dem Schmatz geträumt

Die Schönen und die Wichtigen
noch immer im Rache-Modus, ich musste daran denken, als ich am Strand saß
und im Hintergrund eine Sardella verbrannt wurde, für all unsere Sünden
die so lässlich waren, im Vergleich




Málaga ist eine sportliche Stadt, hier joggen viele. Ein hässlicher Hafen verstellt den Blick aufs Meer. Der Hafen im Zentrum dagegen wurde zur Kulisse ausgebaut; zwei seegrüne Kriegsschiffe unter spanischer Flagge liegen beruhigt vor Anker.

Ein altes Bild: Eine Hausantenne schwankt im Wind. Der Wind schiebt auch die Plastikstühle hin und her. Und in den Palmen schreien Vögel. Ein Münchener führt ein Café am Platz, ein Sechzger, seit zwanzig Jahren hier im Süden ansässig, Heimweh kennt er nicht. Männer mit Backenbart, Reste von Subkultur. Zwei hellhäutige jüngere Frauen, die rauchen (oft werden E-Zigaretten geraucht hier) und sich auf spanisch unterhalten, welchen Migrationshintergrund haben sie? Eine Blonde, eine Rothaarige.

Vor der Kirche am bulevar warten Bettler auf die Kirchgänger, es ist Sonntagmittag, die Messe müsste gleich zu Ende sein.


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