Sonntag, 6. November 2016

Ich glaube an die positive Erzählung

Ich glaube an die positive Erzählung. Auch wenn ich ins Schwanken gerate. Ich denke darüber nach, warum man sich freikaufen muss. Freikaufen wie in: freischießen. Sich mit Geld bewaffnen.

Überall finden sich Silvias silberne Haare. Im Bad, in der Küche, im Wohnzimmer, im Bett. Du haarst, hat Michael einmal zu ihr gesagt. Ich mache mir Sorgen. Sie lachte. (Und wirklich schien sich die Fülle ihrer Haare nicht zu verändern.)

Die automatischen Schiebetüren aus Raumschiff Enterprise klangen mir noch tagelang in den Ohren. Diese Wischlaute. Manchmal wusste die Tür im Hintergrund schon Sekunden vorher, dass die Figur vorne gleich seine Markierung verlassen und den Abgang suchen würde, es war großartig.

Die vier Phasen der Trennung. Das Nicht-Wahrhaben-Wollen, die Wut, die neuen Pläne, das Ankommen in der Realität. Ich hätte ja gedacht: Der Schock, die Wut, die Depression, die Ablenkung - und fünftens erst: das Neue.

Schießschartenartige Fenster.

Ich nehme die Nr. 6, ich muss bis zur Endstation. Aber am Knotenpunkt (irgendwo in Köln, eine von diesen tiefgebauten Haltestellen, ein Betondschungel) wandelt sich die 6 in die Linie 8, und ich habe den Umstieg verpasst. Ich sehe wie ein führerloser Einzelwagen einer anderen Linie mit mehreren Fahrgästen versucht, sich an uns anzudocken. Schlusspointe fehlt.

Über dem Land ging ein Gewitter herunter, als ich endlich unter dem Dach der kleinen Bushalte saß und auf den Rufbus wartete, der dann ein Taxi war und mich für zwei Euro zum Bahnhof kutschierte. Dem Fahrer fehlten Kleingeld und ein Sensorium für die eigene Körperpflegebedürftigkeit. Aber eigentlich war mir das gleichgültig. Ich saß melancholisch auf der Rückbank, sah dem wackelnden Wald im Fenster zu und schwieg. Ich fuhr zurück, endlich. Hinter mir öffnete sich der Himmel. Ich fuhr zurück, in eine Stadt voller Taxis.

Die Schellen, die wir uns umgehängt hatten. Und natürlich: das Thema Dankbarkeit. Die Süßigkeiten, der gesüßte Kaffee, vielleicht war es das, was mich am Platz hielt, die servile Haltung, die smaragdblauen Augen, die Körperform, eine Form von Regression, in diesem Dorf, vor dieser Konditorei. Fast eine Woche lang saß ich so jeden Tag liebestoll auf dem Marktplatz wegen einer Frau, die ich schon vor zwanzig Jahren hätte anmachen sollen (obwohl sie damals noch ein Kind gewesen sein musste).




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