Samstag, 26. November 2016

Einwand

Die Burg Leichlingen. Ich möchte für eine Zeitgeist-Zeitschrift arbeiten.

Wie lächerlich das alles war. Lächerlich wie die Schmerzen, die kamen und gingen, besonders gerne kamen sie, wenn sie überhaupt nicht gefragt waren, zum Beispiel an einem freien Wochenende.

Ich telefonierte mit meiner Mutter, die längst wieder alles vergessen hatte, was ich ihr beim letzten Telefonat erzählt hatte, und heulte los, als das Telefonat beendet war. Ich telefonierte mit einem Freund und wartete auf die Wirkung der Schmerztablette. So ging das seit Monaten. Von einem Schmerzzentrum zum anderen. Wie doof mein Leben geworden war. Ich stecke in einem Tal fest, so hatte das Mutter genannt. Ein Tal, ein Winterloch. Eine Dauerkrise. Jetzt fragte ich mich, werde ich eines Tages aus meinem Fenster auf die katholische Kirche im Hinterhof schauen und denken: Es ist vorbei? Und wissen, dass es tatsächlich vorbei war? 


David Foster Wallace:

"Verstand und Witz und Hochseilakrobatik sind in der Literatur wirksame Instrumente, doch wenn sie vor allem dazu benutzt werden, den Leser auf Abstand zu halten, dann, finde ich, werden sie missbraucht - sie dienen dann nur als Abwehrmechanismen. Leyner versteckt sich als Autor, ebenso wie sich viele Exhibitionisten und Schauspieler und Komiker und Intellektuelle verstecken. Ich möchte mich nicht verstecken, weder als Mensch, noch als Autor. Es ist einsam."

Ich konterkariere mich, ich stehe unter ständiger Selbstbeobachtung
Ich stagniere vor mich hin, Ängste beherrschen mich.

Meine Dissidenz ist Luxus, die Definition wurde mir nie gegeben
Es wurde noch keine Vision als gesichtet markiert.

Ich verkaufe Texte. Der Marktwert meiner Texte ist zu niedrig. Mit jedem neuen Buch, mit jedem neuen Text entsteht neue Hoffnung, die Hoffnung auf Ruhm, der von den Pflichten befreit. Und mich mit einer länger währenden Befriedigung erfüllt. Jede Absage hingegen ist ein Rückschlag, eine Ernüchterung. Der (mir von mir selbst gegebende) Sinn meiner Existenz ist bedroht.


Einwand
Downshifting
Übergriff vs. das Soziale, ich und die anderen, Kunst und Freiheit
Künstlerische Freiheit vs. das Reinreden der Auftraggeber

"Es liegt Ironie darin, dass ich mich am attraktivsten derjenigen darstellen kann, auf die ich es nicht angelegt habe. Psychologisch kein Riesenrätsel", schreibt Gerald Koll drüben im Fisch. Ich kenne das Phänomen nur zu gut, und doch frage ich mich, wie ist die Lösung? Kein Riesenrätsel, schreibt er, aber wie lautet die Erklärung? Warum ist das so?

Fallbeispiel: Die Nichtverliebte verabschiedet sich mit Müdigkeit. Darf man sich beschweren? Oder darf man nicht? Bringt eine Beschwerde überhaupt etwas? Die Verliebte macht die Nacht durch. Sie ist kurz und schön. Wundert man sich? Oder wundert man sich nicht? Darf man sich beschweren? usw.

Downshifting
Ich fühle mich gestrichen
Habe ich die Wahl?
Ich habe Geschmack. Warum muss ich unterhalb meines Geschmacks bleiben?
Etc.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen