Samstag, 1. Oktober 2016

Ja. Chérie

Die eine Stelle lobt meinen Stil und sagt, das wisse ich doch bestimmt, dass ich gut schreiben könne. Die andere Stelle, selbes Haus, wirft allerhöchstens einen nachlässigen Blick auf mein Skript und schreibt eine Absage.

Als sie sagt, des Morgens, auf der Matratze, hinter dem Kleiderchaos, während ich mir ein Schlafshirt suche und in dem Kleiderberg nur Hemden finde, weshalb ich also ein Hemd anziehe, also als sie sagt, dass sie sich nicht sicher sei, ob das hier was Ernsthaftes werden könne, werfe ich ihr etwas an den Kopf, was ein Heft sein könnte oder ein E-Bookreader in einem Schuber, und dann sage ich, das sollte sie sich aber mal langsam überlegen, und zwar schnell, weil ich hier schon ziemlich drinhänge, wobei ich letzteren Satz nicht zu Ende spreche.

Wenig später kann ich fliegen. Ich fliege um mein Elternhaus und das meiner Großmutter herum. Zum Fliegen brauche ich allerdings ein Hilfsmittel, das ich mir unter die Arme klemmen muss. Ein rotes Irgendwas. Ich fliege einen Turm hoch, wobei es schwieriger wird, je höher ich komme. Ich sehe Fußballplätze, Bolzplätze, die jetzt Neubausiedlungen gewichen sind.


"'Gute Gefühle', sagt Gide, 'bringen schlechte Literatur hervor'; aber gute Gefühle bringen hervorragende Einschaltquoten. Es wäre der Mühe wert, einmal über den Moralismus der Fernsehleute nachzudenken: Oft genug Zyniker, sind sie in ihren Äußerungen zu moralischen Fragen doch unwahrscheinlich konformistisch. Unsere Nachrichtensprecher, Moderatoren, Sportreporter haben sich zu Moralaposteln entwickelt; mühelos schwingen sie sich zu Verkündern einer typisch kleinbürgerlichen Moral auf, die bestimmen, 'was zu halten ist' von dem, was sie die 'Probleme der Gesellschaft' nennen (...) Dasselbe gilt für Kunst oder Literatur: Die sogenannten literarischen Sendungen, gerade die bekanntesten, fördern die etablierten Werte, den Konformismus und Akademismus oder auch das, was gerade hoch im Kurs steht, und zwar tun sie dies immer dienstfertiger."
Pierre Bourdieu, Über das Fernsehen

"Kräuselmeier war auch ein Weiberheld, und es ist ja nichts Neues, dass silberstrümpfige Buchhändlerinnen auf Intellektuelle eine spezielle Anziehungskraft ausüben."
Schröder & Kalender: Kriemhilds Lache

Stimmt, das Schmatz. Auch lange nicht mehr gesehen.


Ein lang gezogener, offener Platz. Eine Bühne am Kopfende, umstellt von künstlichen Pflanzen. Betonkübel zum Sitzen. Keine Tauben. Ein altmodisches Glockenspiel, das an einer auf barock gemachten Fassade klemmte und stündlich die schräge Melodie eines antiquierten Arbeiterliedchens bimmelte. Der Schatten eines Hubschraubers, der sich langsam über das Pflaster bewegte. An den Flanken des Platzes herumbrausende Fahrzeuge. Menschen auf Rädern. Hotels in Reichweite, aber keine Touristen. Die Mitarbeiter stiegen aus und eilten auf ihre Positionen. Die anwesenden Bettler sprachen sie persönlich an. Sie nannten sie bei Namen. Sie sprachen Platzverweise aus.

Eine wichtige Meldung folgte: Bitte filmen Sie auch die Gesichter der Menschen, die weinen.


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