Montag, 3. Oktober 2016

Die Waffe des austretenden Hundeführers

Die Waffe des austretenden Hundeführers. Ferner wilder Himmel, Sand zwischen den Zähnen, eine Blume im Anschlag. Goldstreif, Wehmut, Differenzen.

Ich mache mir einen Kaffee und finde sie in der unteren Ablage. Eine Gelegenheit, sich die Kugel zu geben, ist mir diffus bewusst. Ein seltsames Gefühl. Aber ich fasse die Waffe nicht an.

Der Radiosender spielt Heavy Metal Musik. Der Hundeführer ist von seiner Runde zurück und löst Kreuzworträtsel. Von der Musik fallen dir doch die Eier ab, sagt er nach einer Weile.

Der schwule Kollege, der mich ablöst, oder den ich ablöse. Die versteckten Schmuddelhefte in der Ablage, in der eben noch die Waffe des austretenden Hundeführers war. Eingeölte Schwänze, gänzlich unerigiert. Ich bin Zeuge eines leeren Herzens, alles zieht.

Ich frage mich, wen unerigierte Schwänze interessieren. Klar, es gibt da diesen Paragraphen, der die Gradzahl der Erektion reguliert. Aber so unerigiert?

Bitte lehne dich doch da an den Baum.

"Heavy Metal Drummer". Das Lied existiert ganz unabhängig von der persönlichen tragischen Geschichte, die ich mit ihm verbinde. Ich mochte es auch ohne die Geschichte.

Thomas Melles neuen Roman zu lesen ist hart.

Komplimentiert: Mund (von K.)
Komplimentiert: Bekleidung (von Ch.)
Komplimentiert: Ohr (von L.)

In der S-Bahn neben Ch. mit einer Flasche Wasser in der Hand. Kurz ausgeübter situativer Witz: Ich simuliere einen Wet-T-Shirt-Contest. Seltsamer Moment.

Plötzlich hereinbrechende Dunkelheit, und irgendwas ist ein paar Stehplätze von meiner Hängematte entfernt, in Richtung Kantine, aber so wichtig, dass ich da jetzt unbedingt hin muss.

D. stand an eine Stütze gelehnt, unter einem Lautsprecher, und zog sich mithilfe einer im Licht glänzenden Pinzette etwas in die Nase. Die Mitarbeiter der Sicherheit beachteten ihn nicht, sie standen in den entsprechenden Jacken an der Seite des Platzes, der sich nur allmählich füllte, für ein größeres Publikum war das Programm entweder nicht ansprechend genug, oder irgendeine Desinformation, mögliche Drohnenangriffe betreffend, hatte für Verwirrung gesorgt.

Es sollte seine Sorge nicht sein, für ihn war der Auftrag klar. Er schwitzte, wischte sich den Schweiß ab, machte ein ausdrucksloses Gesicht, gab sich lässig. Es gab einen Freiraum, während sich die Abläufe abspulten.

Emma meldete sich. Ungünstiger Zeitpunkt. M. blinzelte in die Sonne, stotterte in sein Sprechgerät, schaute kurz Hilfe suchend in D.s Gesicht, aber da fand sich nichts. Emmas schreiende Einsamkeit kam ihm nicht unbedingt einladend vor, ihre abwartend aggressive Art, eine Einladung für den Abend auszustellen, leicht genervt sagte er zu.

In diesem Moment schritt eine mächtige Schauspielerin vorbei und strebte in Richtung Bühne. D. blickte etwas neidisch, während er sich die Nasenflügel kratzte.


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