Sonntag, 23. Oktober 2016

Der Unterschied zwischen Uhrzeit und Kultur

Falsche Liebe, ein Rest von Wehmut. Eisblaue, dünne Gedanken. Ein Radeltag, den ich in der U-Bahn verbringe. Ich sitze auf Taschen. Im Schatten des Objekts. Einer traditionell vietnamesischen Kusine.

Eine ähnliche innere Arbeit, eine Form von Shotgun De-bugging, irgendwie sind diese Arbeitstage immer zu lang. Es bleibt wenig vom Rest des Tages. Schon wieder ist acht Uhr, schon wieder muss in zwölf Stunden aufgestanden werden, und wenn man den Schlaf abzieht, hat man noch vier ruhige Stunden. Und ich versuche, hier Geheimnisse zu verraten (vielleicht auch deswegen von Edward Snowden geträumt), allein, das bringt meist gar nichts.

Ich schlief mit O. Im Hintergrund lief "Satisfaction" in der Version von Otis Redding. Natürlich war sie unbefriedigt, unzufrieden mit der Situation, natürlich beschwerte sie sich. Aber die Quote hatte Recht, die Unlust hatte Recht, nur die Bild-Zeitung log wie gedruckt. Sie verbreitete die von O. gesteckte Mitteilung, die schlimmen Gerüchte über mich würden nicht stimmen. Ich aber las das und dachte: Welche schlimmen Gerüchte überhaupt?


Und wieder ein Buchpreisroman, den ich nicht lesen werde.
Elke Heidenreich war schuld.

Raufutter
Schlachtbranche

Was fehlte? Es fehlte die Gesellschaft. Eine Szene. Die anderen Schreibenden. Das Problem war, dass alles sich längst zersplittert hatte, selbst bei den Nachkömmlingen, den jüngeren. Die Solidarität war gering, die Geschlechtspartner weitgehend ausgetauscht. Der Austausch ins Internet verlagert worden. Und war das alles überhaupt schlimm, am Ende? Vielleicht nicht.

Im Wordfeud bist du nur schwer zu schlagen, schrieb meine Mutter auf einer Postkarte.

Später war ich mit ihr auf einem Konzert gewesen. Sie stellte mir ihre Freundinnen vor. Sie waren entmutigend jung. Sie hießen wie Halluzinationen oder Hochglanzmagazine. Galatea und Wilma. Sie staunten mich unverwandt an, sie sahen klein aus und fesch und wie frisch im Seifenblasenladen gekauft, und sie fragten sich – natürlich zu Recht – was in aller Welt sie mit mir altem Sack wollte. (Ich werde ihr einen Zauberstab schenken, dachte ich, und ihr heiße Liebe einflößen. Ich bin im Geschäft, wenn sie den Rock nur etwas nach oben schiebt. Nur ein klein wenig, das etwas verspricht. Eine nackte Blondine, das traf es nicht. Es war ja nicht irgendeine. Man müsste also den Echtnamen einsetzen. Aber das geht nicht.)


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