Samstag, 15. Oktober 2016

Castiglione

Scheinlösungen sind die wahren Lösungen.

Für eine Weile lief uns ein Hund hinterher. Rote Halskette, aber ein sogenannter wilder. Irgendwann gab er es auf. Katzen wenige, aber mit wilden Hunden scheint es ein kleines Problem zu geben hier.

Mit dem Bus einmal um die Insel herum: spilling guts. Vollgepackte Busse, die Schlangen von Taxen hinter sich herziehen, die ganze Insel ist nicht auf den Beinen, sondern auf vier Rädern unterwegs, überholen ist eher schlecht. Am Straßenrand später: Katzenleiche. Kaum Pools, aber die Insel hat sich auf Thermalbäder spezialisiert. Die Frage ist, was war zuerst da. Das eine Thermalbad, das dann Metastasen bildete. Oder die Nachfrage der Touristen. Oder die findige Idee eines Tourismusministers.

Wir haben irgendwann aufgehört, schon recht schnell, unser Ticket zu entwerten.

Please respect our decadence. Dort, wo es reich sein will, ist es nur "reich": alles sieht nach der kitschigen Idee von Reichtum aus, den Nicht-Reiche (um nicht Arme zu sagen) haben. Aber die sozialen Unterschiede sind nicht so krass hier. Niemand hat Pools. Und jede 500m wartet ein Thermalbad. Mit Meerwasser oder ohne.

Die Toten, die Todesfälle stehen hier nicht in der Zeitung, sondern werden plakatiert. Gilt nicht für Katzen. Auch nicht überliefert ist, ob die Katzen oder wilden Hunde dann als Roadkill auf den Grills landen.

Hafenrestaurant. Auf gleicher Ebene mit dem Wasser.
Frauen, die ihre Pumps nur vom Taxi bis zur Yacht tragen (können).
Über die Hafenreling suppendes Wasser, weil wahlweise Vollmond oder Sprungtide oder Wind, der das Wasser in den Hafen drückt, oder zu schwere Pötte in demselben.
Sascha Hehn kommt die Gangway herunter, natürlich mit dem Pullover über dem Hemd zusammengebunden.
Mann schaut der Begleitung kühn in den Ausschnitt, Begleitung ist auch nur ein viertel so alt. Der Gitarrero, der Hafenbarde, der Sänger mit der Klampfe singt über übertragbare Geschlechtskrankheiten und Analsex, weil, versteht ja eh keiner.
Cazzo di ferro!
Der Tintenfisch (polpo) war leider etwas schuhig. Chewy, that is.
Das Posche wurde mit dem Banalen verbunden: Das angus beef habe ich mit Pommes Frites bestellt, Extrateller mit Majonäse- und Ketchup-Tütchen inklusive. In jedem Sinne medium.



Wer hat in meinen Kaffee gespuckt? Wer hat das Filmmaterial gesichtet, die Hardware? Die Geräusche stimmen nicht. Es ist mir nicht möglich, ein normales Gefühl zu ihnen zu gewinnen. Das Leben kommt mir dazwischen. Es ist eine Art Brunnen, ein Strudel, durch den man durch muss, um in eine andere Erlebniswelt, an die Küste, ins Wildwasser zu geraten. Aber wir sitzen immer noch und vergleichen unsere Einkäufe. Schönes, frisches Plastik, das gut riecht. Und draußen stehen die anderen, musikverstöpselt, mit sturmfreien Frisuren. Menschen an den Bushaltestellen des Weltbürgerkriegs, ohne Reibungsverluste, mit den richtigen Parastrukturen, weil sie ja alle vorher an den richtigen Stellen lachen, und warten alle auf den Bus wie auf den Messias. Da kommt auch schon eine neue Busladung Intensivleserinnen, die sich auf offener Straße von ihren Freunden getrennt haben, und nach der bekannten Sechs-Blöcke-Regel im Umkreis von einem Kilometer nichts Negatives über sie sagen dürfen. Bemalte Frauen, die Akkordeonordner unter die Arme geklemmt. Mein Begehren hat Löcher. Es ist Herbst im August, jemand hat den Sommer gestohlen. Ein Mann, Halbglatze, circa 50, mit kleinem Wohlstandsbauch, aber der Körperhaltung eines kleinen, unschuldigen Jungen, steigt aus dem Bus. Er trägt ein schwarzes T-Shirt, auf dem in weißen Lettern »Post-Nothing, Pre-Everything« steht. Ein Junge, vielleicht 12, folgt ihm. Auf seinem T-Shirt steht in noch größeren Buchstaben: »Goals don't lie«. Recht haben beide.


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