Donnerstag, 13. Oktober 2016

Casamicciola

Meer, großflächig.

Posh holidays. Jacuzzi im Garten. Blick auf abgehende und ankommende Fähren.
Junge Italiener, die im Auto dreimal um die Insel fahren - nichts geht hier ohne Auto, anscheinend, eine feste Autokultur. Unser Gastgeber will uns vom Hafen abholen und zum Restaurant fahren, das zwanzig Minuten fußläufig entfernt ist.

Meine Kamera macht Flecken.

"Dieses Geklimper, ist das Chopin?"
"Chopin, klar. Geklimper ist immer Chopin."


Die Maschine sieht hellgrau aus, ich erkenne sie von weitem, sie deckt sich mit dem Himmel, sie trägt eine Leuchtschrift an der Seite, die ich aus der Entfernung natürlich nicht lesen kann. Ich steige aus dem Taxi und senke den Blick. Ich betrete die Flughafenhalle und verhalte mich unauffällig. Ich sehe ein Szenemädchen, das auf ihrem Koffer sitzt. Einchecken, Passkontrolle, neue Leuchtschrift, gleichfalls unleserlich. Kurz vor dem Flug suche ich die Toiletten auf. Stechende Spiegel, unerbittliches Licht, dabei ungut bedudelt werden, Bob Dylan als Orchestermusik, Musik für Flughäfen. Die Schönheit der Schrift und die Schönheit eines Flugs. Der Geruch nach Kerosin. Die Förmlichkeit einer Flugbegleitung. I can see it's raining, singt mir Edith Frost ins Ohr, während der Paxenbus durch den Wüstenbeton zur Maschine schleicht.


Regentagsfrauen Nr. 12 & Nr. 35. Natürlich kramt jetzt jeder seine Lieblingsstücke von Bob Dylan raus. Ich saß am Telefon, bereit für DeLillo eine schnelle Seite in den Rechner zu kloppen, und dann das. Die schwedische Akademie im Livestream, und das erste, was ich hörte, war eine blasse Frauenstimme, die den Namen "Bob Dylan" sagt. Von sich gibt. Was hat Bob Dylan mit Literatur zu tun? Sollen wir jetzt alle wieder verstärkt auf Songtexte achten? Vielleicht keine so schlechte Idee, lautet mein zweiter Gedanke dazu. Aber führt das nicht irgendwie auch zum Nobelpreis für Nick Cave? Zum Friedensnobelpreis für Bono? Aber ich würde mich nicht mehr so allein fühlen, alle sollten gesteinigt werden, jetzt erst recht.

Spaziergang, Busfahrt, ich habe mir Espandrillos gekauft, mit denen ich sehr glücklich bin.
Therme, Therme, überall Therme. Aber: Badekappenpflicht. Autos, kleine, vollgestopfte Linienbusse. Deutsche mit Nordic Walking Stöcken, die sich doch als Italiener entpuppen. Verlorene Ehepaare, verlorene Ehen mit vollen Schweigestunden und festen Absprachen.
Am Strand war ich nu auch schon - und ich habe jemanden schwimmen gesehen.
Tag 2 von 11.




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