Freitag, 21. Oktober 2016

Amalfi

Rothaarige Lionel-Richie-Coverband von der Almafi-Küste: The Pommodores.
Samstag spielen sie in Analfi.

Privatsphäre Privatfähre. Rundherum wie Pilze aus dem Wasser wachsende Felsen. Putin in Berlin, sein Geheimdienst liegt in einer mausgrauen, feindseligen Yacht vor Positano.
 
Verträumte Deutsche in Funktionsjacken, ein Regentag in Amalfi. Er in Radlertrikot, sie in türkis mit pinken Turnschuhen. Sie bestellen "die Nockis".

Magersüchtig, markensüchtig. Wir liegen nebeneinander und spielen Scrabble übers Handy.

Vorletzter Tag, ab morgen wieder Herbst in Berlin. "Bald liegt Amalfi in der Ferne", und die deutschen Nebelbänke rücken allmählich näher.


Es war bedeckt, aber trocken. Auf den Stufen vor dem Zeitungshaus saß eine Frau mit einer Tüte Paniermehl in den Armen. Die Gespräche in der Redaktion liefen gut, und ich beobachtete mich dabei, eine neue Gelassenheit entwickelt zu haben; früher schoss mein kränkbares Ego quer, die anstrengende Suche nach Anerkennung, jetzt kam die Anerkennung fast wie von allein und bescheiden und das reichte. Schriftsteller, Autor, Journalist. Mein Beruf war ein behaupteter. Was die mit dem Namen der Terroristin machte, wusste ich nicht. Sie saß an einem Schreibtisch wie ich. Sie ließ sich vom Kapital lieben. Sie assistierte dem Chef. Sie spielte ihm etwas auf der Kaffeemaschine vor, sie kochte Kaffee. Sie schaute Fremde an.


Ein Paar aus Niederösterreich, das Luxuswandern geht (das Gepäck wird von Hotel zu Hotel nachgeschickt) und mit uns das Taxi von Ravello zurück teilen möchte. Tal im Niedergang, Starkregen, die Talfahrt des Grauens für 50 Euro. Abschied am circulo.

Es gibt menschliche Seiten, sogar in Ravello, wo wir Schulklassen nach der Zeugnisausgabe (Trimesterzeugnisse?) euphorisch zum Schulbus strömen sehen. (Diese Euphorie, die zum Schulschluss, zu Ferienbeginn einsetzt!) Tornister mit Disneymotiven, in den Händen die Papiere, in den anderen das Handy oder das Nutella B-Ready, ein freudiger Lärm. Ansonsten muss man felsenhart sagen: tote Schönheit allerorts. Urlaub in Touristrien. Für Jahrzehnte, vielleicht sogar für ein ganzes Jahrhundert tote Orte. Die ausgestellte Schönheit erzählt einem niente, nada, nichts. Positano braucht kein Mensch, noch weniger als Capri, auch Ravello mit seinen Klassikfestivals ist ein Ort des Schreckens. Bildungsbürger, die Stufen hinauf- und wieder hinunterstiefeln, dann wird ein Katzenjunges aufgehoben und gestreichelt und ein paar Schritte in die parfümierte Kirche gesetzt (sie sparen nicht am Weihrauch) und das war es. Interessanterweise ist es selbst kulinarisch noch mal eine Nummer schlechter als in Roma, auch gerade, was das Touristenessen betrifft: die Pizzen, die Pasta, die Gelati. Nicht-Orte, tote Zonen, die Landschaft kann was, das Meer selbstredend auch, das Wetter ist gut, das sind freilich Argumente. Insgesamt aber: Braucht man nicht. Touristisch entleert, das alles.


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