Freitag, 23. September 2016

Internationale Flughäfen

Der Tee war bitter, die Motorradmusik, die er auf einem der verwaisten Konsolen spielen ließ, klang noch um einiges schrottreifer und stumpfer, als sie es eh schon war. Einzig die kreisrunden Großkonsolen, die M. fasziniert in den Händen hielt, waren ansprechend. Sie dehnten und wölbten sich.

Die Maschine war ebenfalls fast ruhig, die Maschine flüsterte. Ein grüner Turm leuchtete in der Ferne. Frederic und er schauten nach draußen, sahen die moderne Welt, die hellblauen Flugzeuge über den eisgrauen Wolkenkratzern.

Beginn des Einmarschs.
"Das könnten experimentelle Wahrheiten sein, da auf den Schirmen."
"In jedem Fall sollten wir nach internationaler Hilfe rufen."
"Wir müssen vorsichtig sein."


Schon wieder so ein Name. Namen wie Michelle, Ana mit einem N, Alina, Lara, Lena, Laura, Lea. Verschnürt, verschlossen, abgesichert, keine gutaussehende Frau zwischen 26 und 32, die nicht einen Freund hat, mit dem sie auch zusammen lebt. Und niemand trennt sich, wieso auch.

Vielleicht ist Sex auch einfach nicht mehr das große Ding. Nicht mehr das, was er für die Kinder der Revolution vielleicht noch war. Sicher, es gibt immer noch Gegenbewegungen. Diversifizierungen, Polyamorie, neuster Feminismus, etc. Statt Libertinage aber interessiert die Jugend von heute Anpassung, statt für Experimente am eigenen Körper ist sie für soziale Sicherheit. Verständlich auch. Der neoliberale Druck ist zu hoch.

(Das wären jetzt so Thesen.)

Stelle aber auch an mir fest, dass ich nicht mehr viel Lust habe, auf Barhockern zu sitzen und Selbstvergiftungen zu unternehmen, die nicht viel mehr bringen als notwendige und stetig länger werdende Phasen der Regenerierung.

Ich kehre zu den Büchern zurück.



Räumungstitel, Selbstdisziplin und Tango
Die Äquidistanz der kaltherzigen Regierung

Körperliche Unförmigkeit
nach der Einnahme in der kleinen Bar am Friesenplatz

Ein Aufschlag von Leuten hier
kann es ziemlich hart zugehen


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen