Sonntag, 11. September 2016

Angebot von Stimmungen

Zwei Hunde hecheln sich an.

Ein Salon wirbt im Schaufenster mit: "Hochsteckfrisur 30 Euro". Gutes Angebot. Kurz überlegt, reinzugehen.

Bedarfsorientierte Sexualität
Der Einfluss der Leerstelle
Informationskontrolle, Homilie

Du bist die Art Mädchen
die in mein Leben passt

Es ist der 11. September. Ein blau glänzender Tag. Ja, natürlich weiß ich, wo ich damals war.

Vor uns Autos, die aussehen wie Turnschuhe. Das Italienisch, das wir an der Autobahnraststätte hören, regt zu Dauergesang an: Lasciate mi ... Chi non lavora ... Felicità ...

Der Kaffee schmeckt nach Kotze.

Im Schatten des großen Leuchtschilds: AGIP. Im Hintergrund, nur noch knapp zu sehen, die letzten Berge. "Dass es die Alpen gibt, ist ein Problem", aber nicht, wenn man lediglich durchzufahren braucht. Als Kulisse machen sich die Alpen gut.

Lift noch als Limonade, Feuchttücher von 4711, mit Handtüchern und T-Shirts verhängte Seitenfenster, Fleisch in Alufolie. Meine Kindheit war eine glückliche, jedenfalls in diesen Phasen.

Es muss hart sein, sich in einen Schriftsteller verliebt zu haben. Immer darauf warten, ob und wenn ja: wie über einen geschrieben worden ist. Jedes Buch, jede Zeile nach einer versteckten Mitteilung lesen, einer Mitteilung, die nur für mich gemacht worden sein soll. Und dann die Stellen, die unbegreiflich bleiben, die Stellen, die ausufern, die woanders hinströmen, die von anderen Figuren zu handeln scheinen, einfach von anderen, die vielleicht sogar ausgedacht sind. Die Beschreibungen, die treffen, weil sie mich treffen. Die Beschreibungen, die treffen, weil sie mich verfehlen. Die Beschreibungen, die mich treffen, weil sie ganz woanders hin zielen. Immer ist da diese Schrift, diese Arbeit, diese feindliche.

Raymond Queneau, Stilübungen. Auch in der Neuübersetzung haben diese Prosastücke reichlich Staub angesetzt. Vielleicht an drei Stellen gelacht, was nicht schlecht ist für ein über fünfzig Jahre altes Buch. Aber seit damals ist sehr viel passiert. Beste Stelle im Buch tatsächlich die, wo er weitere Vorschläge für "Mögliche Stilübungen" macht. Die hätte ich gern gelesen.

Spiegelungen und der ganze Wahnsinn. Vielleicht doch mal wieder Robbe-Grillet lesen.



Ladeproblem
Akkuwechsel
Glasbruch

Warteschleifenmusik. Warten, dass alles gelb wird.

Ich wurde getapet, jetzt renne ich herum wie Batman, nur das Hirn will wegen der Hitze nicht mit.
Akkupunktur soll ja gut sein. Vielleicht sollte ich mich auch einfach nur glücklich schätzen, 45 recht unbeschwerte Jahre, naja, nicht ganz, aber zumindest unversehrte Jahre, ach nein, auch blöd, vergessen wir es.

Dann sah ich das Schmatz in einem weinroten Sommerkleid.


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