Montag, 19. September 2016

Alacant

Wenn wir überhaupt noch etwas über das Nachtleben lesen wollen.
(Bilder: aus Malaga und Ronda, nicht aus Alicante.)

Pierce Brosnan Autogrammstunde 15 Uhr.
"Pierce Brosnan ist tot, Mann!"
"Nein, das ist Pierre Brice!"
"Ah, genau, stimmt."

"Ich bin gesund." Mit diesem Satz ist gemeint: Derzeit kann von keinem Virenbefall, keiner Entzündung, keiner tödlichen Krankheit berichtet werden. Die üblichen Symptome fallen nicht unter diesen Satz.

Obwohl, stimmt gar nicht, bin nämlich leicht erkältet.



Er war so froh, dass er sie los war. Das Gezicke, die ständigen Kämpfe darum, wer Recht hatte, wer sich in den kleinen, alltäglichen Entscheidungen durchsetzen konnte, er war das alles so leid. Die geballten, auf ihn losgelassenen Neurosen, die er immer wieder abwehren musste, und die ihn letztlich immer wieder überraschten, überforderten. Die elenden, langen Telefonate, die eigentlich schon mit dem dritten Satz gescheitert waren, weil sie sich noch gegen die einfachsten Konventionen zur Wehr setzen zu müssen glaubte, als ob die Welt daran krankte, und nicht an etwas völlig anderem (und in ihrem Fall an noch etwas anderem, an etwas, was zunächst nichts mit ihm und ihr zu tun hatte). Konventionen, dachte er, die doch dafür geschaffen worden waren, das Leben miteinander zu vereinfachen, den sozialen Kontakt simpel und somit möglichst konfliktfrei zu halten. Es waren Gesten, gegen die sie aufbegehrte, völlig sinnlos. Wie viel Kraft das kostete! Und nicht nur ihn, sondern sie selbst schließlich auch! Klarheit über Wünsche und Absichten, das war eines seiner Ziele, doch ihre Wünsche wucherten durch den Alltag und verloren sich in unendlichen Verästelungen. Bis er endlich, endlich seinerseits erkannte, dass ihn in der Hauptsache negative Übertragung an sie band. Als er das erkannte, hatte er die Übertragung schon fast überwunden.


M. riskierte einen zweiten Blick auf Frederic, der damit beschäftigt war, dem Kollegen D. etwas Wichtiges auseinanderzusetzen. Etwas über stellare Lagen. Dann begann M., von sich zu erzählen, von seiner Herkunft, über die Zeit, die er in der großen Stadt verbrachte, über die Arbeit für den kommerziellen Nachrichtendienst, Kulturtexte verfassen, Reportagen aus dem Nachtleben, harmlose Nachrichten, das, was er auch vorher in der Provinz gemacht hatte. Dafür erhielt er wieder ein Nicken, einen verzogenen Mund, ein Interesse signalisierendes Leuchten in den schmutzig blauen Augen der Frau, deren Name Anna war, wenn er richtig verstanden hatte.


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