Mittwoch, 21. September 2016

Aitona

Ich muss den Dingen wohl ins Auge sehen: Wir entfernen uns voneinander. Kein Wunder bei der halben Welt, die zwischen uns liegt. Die uns trennt. Wir leben uns auseinander, ganz unweigerlich.

Signierstunde. Das Schaubild der Lindenstraße hängt hinten an der Wand. Ein Mann, graue Stoffhose, Socken in Sandalen, spielt auf seinem Handy Solitär. Eine Frau, blond, kniet vor einer Werbetafel nieder, einer Werbung für ein olivgrünes Auto einer französischen Marke unter dem englischen Slogan ATTACK THE FUTURE - so sieht es jedenfalls aus. Auf dem zweiten Blick kniet sie vor ihrer Tasche, in der sie etwas sucht (ihr Handy, vermutlich).

Den Dingen ins Auge: Sie hat künstlich verlängerte Wimpern, die einen leichten Bogen nach oben machen; sie hat sie schwarz getuscht. Ebenso ihre unteren. Jetzt hat sie Augen, die stets wie aufgerissen aussehen - als ob sie knallwach, ständig auf Speed wäre.

Alles ist von Schildern umstellt. Vollgestellt von Schildern. Alles.

Ich mache einen Zeitsprung. Versetze mich in eine Vergangenheit. Reise in die Zeit - eine Rückblende. Sie verstehen schon. Ich denke an etwas, versetze mich in eine Situation aus dem Jahr 1996. Im selben Moment freue ich mich: Da habe ich ja noch geraucht! Also zünde ich mir in dieser Zeitreisenphantasie als erstes eine Zigarette an.
Zeitreisen in die Zeit vor dem Tinnitus; vor dem Bandscheibenvorfall, etc.

- Hast du eine Waffe?
- Nee, natürlich nicht.
- Wer hat eine?

Der Pirat, gelernter Elektriker, bringt sich mittels eines Stromschlags um. Grauslich.

Postkatholiken
versteckte Subventionen
Es brennt auf allen Feldern

Signierstunde. Für einen kurzen Moment stehen sich Schriftsteller und Buchhändler gegenüber.

Frage an den Schriftsteller, warum er immer so viele Frauengeschichten aufschreibt. Warum die ja meist männlichen Protagonisten ständig begehrt werden, ständig Affären haben, Gelegenheiten, ständig von Frauen umgarnt sind. Warum passiert das ständig, in Ihren Geschichten. Antwort: Weil das in der Wirklichkeit ja eben überhaupt nicht so ist.

- Ich bin ein guter Schauspieler.
- Er begreift mein Drama nicht.

Leben als DJ: Platten schleppen, quer durch die Stadt. Man muss viele Platten schleppen, bis der Glanz kommt, sagt Frau F. Ganz viel schleppen, ohne schleppen geht es nicht. Ja, aber, sagt der DJ, die Geschichte kommt bei ihm ganz anders an: immer schleppen, nie Glanz.

Aufschrift in der Sixpack-Toilette, Köln 1996: Immer putzen, kein Dank.

Isso.

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