Sonntag, 7. August 2016

Postprivatstraße (Köln)

1. Köln kann machen, was es will. Es wird immer tief in den fünfziger Jahren stecken. Es wird immer kleinteilig sein und wild gebaut, es wird immer zu eng sein und zu voll.

2. Defensive Architektur, klein und sexuell behäbig.

3. Frau beim Anblick der Liebesschlösser auf der Hohenzollernbrücke (mittleres Bild): "Man sagt ja immer so: 'Beziehungen, das ist nix', aber guck mal!"


Der Busfahrer lässt türkische Musik laufen. Zahnschmerzgesänge, während der Bus durch die rheinische Landschaft fährt, an den Wiesen, den Grünflächen, an den katholischen Backsteinbauten vorbei.
Diese katholischen Häuser.
Als der Bus anhält und länger stehen bleibt, beginnt ein Kleinkind in den hinteren Sitzen zu quängeln. Fährt nicht, fährt nicht!
(Das angetäuschte Losfahren: Schon mal Motor anlaufen lassen, dann noch minutenlang stehen bleiben.)
(Die Bauarbeiter, die ihren Bagger laufen lassen während der Mittagspause.)
(Die Kehrmaschine, die nachts um 12 durch die am Brüsseler Platz sitzende Menge pflügt und mehr Krach macht als alle Jugend.)
Echolalien, Echolalien


Köln ist eine Partystadt. Die Innenstadt über den Ring hinaus bis zum Aachener Weiher: voller junger Leute. Menschen zwischen 20 und 30, denen die Musik egal ist, denen die symbolischen Gesten egal sind, denen es nicht um Subversion oder so etwas geht. Sie sind in Bier interessiert, in Flirten und Herumstehen. Alles andere: vollends uninteressant

The dream is over, sagte ich nachts beim letzten Kölsch in der Kneipe, die früher von den Distinktionsgegnern aufgesucht wurde, also die von der negativen Übertragung, oder von uns, wenn wir mal wieder genug hatten vom Distinktionszirkus nebenan, und die jetzt nach der letzten Renovierung Wände hat wie ein chinesischer Imbiss in den achtziger Jahren

The dream is over, die Distinktionskämpfe sind gekämpft und restlos verloren worden, sind einfach zu dem zurückgestampft worden, was sie ohnehin schon teilweise waren: zu einem aufgeblasenen Nichts, dem die Luft ausgegangen ist

Klone haben das Regiment übernommen, das Kapital hat gesiegt, es ist alles austauschbar geworden, ja, andererseits - durch die Austauschbarkeit hat auch die potenzielle Quantität zugenommen, wo keine Distinktion mehr, da ist jetzt auch sexuell mehr möglich geworden, ein wahlloses Vögeln ist durchaus machbar geworden, habe ich jetzt nicht gesagt, aber an diesem Gedankengang durchaus rumgekaut

Man sollte immer reichlich junge Leute um sich haben, um nicht vollends zu verblöden oder allzu sehr ins Alter abzurutschen, ja, vielleicht, andererseits eben auch die Arroganz des Alters zeigen, ach

Paul Mason
Mark Fisher
Hauntology
das Phantomzeitalter

usw. usw.


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