Donnerstag, 18. August 2016

Jana gespiegelt

Schwer verformte Informationen, metastabil.
"Weil Sternenstaub den Blick verstellt, kann das Team nicht auf Licht hoffen, sondern muss Radiowellen empfangen."
Ganz profan: Oben in der Decke ist ein Loch. Da fällt das Licht hinein.

Gespräche über Löwen. Ihr autoritäres Gebrüll beim Anblick von Gästen. Die Alltagserfahrung Bäume. Der Fall eines Passanten aus dem 23. Stock, der durch mehrere Markisen aufgehalten wird, der dann aber, heil auf dem Trottoir angekommen, aufrecht und unverseht, von einem Löwen angefallen wird. Die Löwen im Zirkus, die Löwen im Zoo. Die verschiedenen Zoos. Die Zoobrücken. Der Löwe und das Walross.

Vater sagt: Halt dich aus der Politik raus, das ist besser für dich.
Kurz aufflammender Ärger über den Satz. Die Umfragewerte insbesondere für die AfD hält er für geschönt - in seiner Wahrnehmung müssten die Prozentzahlen höher liegen. Nicht in Berlin, denke ich.

Irgendwie finde ich sie ja scharf, die Bürgermeisterin. Wählen werde ich sie trotzdem nicht.



Ich mag das, was Gerald Koll drüben im Fisch schreibt. (Es erinnert mich an mich.) (Wie auch "Rückkehr nach Reims", das ich gerade lese, mich an mich erinnert - bei allen Unterschieden, die ich natürlich auch sehe.)

"Wiener Dog" von Todd Solondz: sehr amüsant. Neidisch auf die Unverblümtheit der Einfälle (z.B. die Geschichte, dass der Dackel von einem Streuner... Schauen Sie selbst.) Damals "Happiness" mit E., eins unserer ersten Dates, die wir noch gar nicht so nennen wollten. Ich will wieder häufiger ins Kino.

Weiter ins Olfe, dann Suppe bei Hazir, dann noch ein Drink im Würgeengel. A. bezahlt den Rest des Abends. Wie kam es dazu, dass A. (wie auch S. manchmal) grundsätzlich die Rechnung übernimmt? Na gut, ich weiß, wie es dazu kam. (Die Pleitejahre.) Im Würgeengel lässt er 30 Euro. (Auf mich fielen davon etwa 6.) Auf dem Weg zum Klo geht mir zum ersten Mal auf, warum der Würgeengel so heißt wie er heißt. Man kommt einfach so schnell nicht raus aus dem Laden.

Neben uns liest einer an der Theke ein Buch. Überlege, ob das jetzt eine sympathische oder unsympathische Pose ist. (Ich erinnere mich, wie ich in einer Nachtbar in Barcelona mit der "Ästhetik des Widerstands" begonnen habe, aber das war 1997, und es galt, die Nacht bis zum ersten Zug nach Tarragona rumzukriegen.) Leider stellt sich irgendwann heraus, dass es dieser Bestseller von Benedict Wells ist - "Vom Ende der Einsamkeit". Zum Feierabend steckt er das Buch zurück in eine Klarsichtfolie.


Geweint: Als die amerikanische Turnierin zum Goldsprung ansetzte (Barren) und der Reporter die Geschichte ihrer schwierigen Herkunft und Geschichte erzählte (ihr Name ist Simone Biles)

Fernsehrealismus, Stagnationsprosa
Der Geruch von Tischtennishallen
Neukölln, wir gehen hart

"Verbieten wir es uns also, von Gier zu sprechen. Öffentliche Figuren vom Papst abwärts bombardieren uns mit Vorschriften, der Kultur der exzessiven Gier und des Konsums zu wiederstehen, doch ist dieses Schauspiel billiger Moralisierung ein ideologisches Unternehmen, wie es im Buche steht. Der Zwang sich auszudehnen, der in das System selbst eingeschrieben ist, wird hier in eine Angelegenheit von persönlicher Sünde übertragen, von privater psychologischer Neigung."
Zizek, Das Jahr der gefährlichen Träume, S. 118
+ Klimabilanz
+ J.J. Voskuil


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