Mittwoch, 31. August 2016

Intransigent

Mein Telefon enttäuscht mich. Nicht zum ersten Mal.
Und ich verfette zusehends. Seit dem Heimaturlaub fast wieder auf Höchstgewicht. Die fünf Kilo, die ich zwischendurch abgenommen hatte, sind flugs wieder da. Emotionales Essen, Beziehungsbauch, ganz ohne Beziehung.
Die Beziehungen der anderen. Das Verschwinden des Einzelnen in der Symbiose.
Was mich an Klotz' Innenschau einer Beziehung gestört hat, waren die offenen Fragen: Woher das Begehren? Warum das alles? Warum diese Beziehung und keine andere?

Ehrlich werden.


Die Unlust am Text. Leben derzeit eher okay. Familienwerte steigen, Freundschaftswerte fallen. Geld gut, Gesundheit ausreichend, Karriere okay. Liebe: Immer noch eher polygames Liebeskonzept, das moralisch und gesellschaftlich nicht immer ganz koscher ist oder aber nicht vollständig aufgeht, da am Ende des Tages immer noch irgendetwas fehlt, etwas, das wir Liebe nennen. Also eine, die von mir ausgeht. Träume von Insektenwelten (Wespen). Was auch fehlt, ist die Physiotherapeutin, die noch im Urlaub weilt.

Dafür lese ich viel. Knausgard, Lieben:
"Was er erzählt hatte, ergab sich nicht aus der Situation, wenn man einmal davon absah, dass ich gerade aus Norwegen gekommen war, und war so zusammengefügt (...), dass es wirkte, als wäre es vorher fertig gewesen. Es war etwas, das er sagte, (...), es war eines seiner Themen. Meine Erfahrung mit dem Menschenschlag, der Themen hat, sagte mir, dass es abzuwarten galt, bis der größte aufgestaute Druck abgelassen war, denn meistens gab es jenseits davon eine Art von Aufmerksamkeit und Präsenz. Ob er mit seinen Behauptungen Recht hatte, wusste ich nicht, ahnte lediglich, dass sie von Frustration getrieben waren und er eigentlich darüber sprach ..." (202)

Ach, immer diese Sehnsucht.

Natürlich kam ich wieder schlauer aus der Bar raus. Einem Mädchen mit einem hübschen Gesicht stand ihre neue Frisur; ihre neue Frisur - etwas länger als der damenhafte Kurzhaarschnitt, den sie vorher hatte - machte sie attraktiver. Ihr derzeitiger Lover hielt die Stellung neben ihr, traute sich aber nur einmal kurz, sie anzufassen. Mir warf er irgendwann einen langen, prüfenden und distanzierenden Blick zu, über den ich mich zunächst wunderte: Bin ich berühmt, weiß er, wer ich bin oder was will er? Später begriff ich: ach richtig, Reviermarkierung. Interessant. Mache ich das auch so? Nicht, dass es mir bewusst wäre. Aber wer weiß.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen