Freitag, 22. Juli 2016

Valabel

Claudia Vamvas
Natascha Kampusch

Anke Sommer
Birgit Peters

Wo war nochmal das gute Leben? Also, hier ist es nicht.
Frauen mit Ohrstöpseln und islamistischen Motiven.
Sie wollen das Glück und sie wollen es sofort.
Aber immer muss alles eckig sein. Kanten haben. Ich hätte es lieber rund.

Das Superschmatz in der Bahn mit Freund. Hellblond, rote Brille, wasserfarbene Augen, bleiche Haut. Da muss doch mal was gewesen sein? An wen erinnert mich dieser Typus? Und warum immer genau dieser?


Jason strebte die Bar an, ich zögerte noch. Die Menschen vor unserem Blickfeld tanzten. Sie tanzten zu der Musik, von der in diesem Sommer kein Entrinnen war, tanzten zu der Musik, die zu dieser Musik geführt hatte. Sie tanzten und schwitzten und führten Spielchen auf und liefen durch alle Ebenen. Eine Frau trug Ohrstöpsel. Eine andere stellte sich in die Mitte der Tanzfläche, kreiste mit den Hüften und bewegte sich, als ob sie dreimal täglich Sex hätte.

»Wir haben damals, als wir die jungen Leute waren, Drogen genommen und uns dabei kaputt gefühlt. Kaputt gefühlt, kaputt gemacht. Heutzutage«, sagte Jason, »nehmen die jungen Leute Drogen, ohne sich kaputt zu fühlen. Sie sind einfach viel zu durchtrainiert. Immer fleißig, immer pflichtbewusst. Und die Gegenmittel stets greifbar.«

Ich war wegen der Namen hier, aber bisher war ich noch keinen Schritt weiter gekommen. Ich war wegen der Namen hier, aber es sah nicht danach aus, als sollte ich irgendetwas herausfinden in dieser Nacht. Eine blonde Frau in einem rosa Kostüm setzte sich auf den freien Hocker neben mir. Sie bestellte sich einen Drink, irgendetwas mit Strohhalm, und starrte geradewegs an mir vorbei ins Nichts. Sie sah mich nicht einmal aus den Augenwinkeln heraus an. Sie wirkte, als ob sie nur kurz ihre Handtasche ausführen wollte. Ein Drink, dann wieder heim zum Hund, zur Couch, zum Fernseher, zur Pillendose.


Nächstes Gedicht:

Milch, halt


Immer will einer
ins Museum der Wünsche

Die Traumwelt ist zu deutlich, sagte sie
und sie zähle nicht

Mit druckerschwarzen Händen muss ich ständig
an den Sicherheitsdienst denken

Ein depressiver Hund auf dem Titelblatt
Ein Wecker, der sich selbst an die Wand wirft

Arte Povera, Ruinen und Infraschall
amerikanische Küche, Ruhm und Spiele

Er sehe sie nicht, sagte sie, die Hemmnisse
der Jahre, die Hindernisse des Augenblicks

Ich vermisse Liv Ullmann, antwortete er
und Monica Vitti im Bett neben mir

Dann sprang er aus dem Fenster
und fiel in die Arme seiner Stalkerinnen

während im Radio
die Nationalhymne erklang


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