Sonntag, 31. Juli 2016

Sittsame Insekten

Gregor Gysi auf die Frage, woher der (künstlerische) Konformismus rührt: "Die wollen alle Karriere machen, und das geht nur mit und nicht gegen den Mainstream."
Problem nur, wenn die Alternative zur Karriere eben die Armut ist.
"Die Unbelehrbaren muss man meiden oder bekämpfen", dieser Satz stammt von Heike-Melba Fendel.

Undertaker gather round and get me ready for the underground
Success is the only option, failure is not
Face right down to the practice room/ all they want is career, career, career
But in the back of my head I heard distant feet/ Che Guevara and Debussy to a disco beat


Der Himmel ist grün
sagt sie (und die Metro)

in weit entfernten Galerien
und auch hier stellt sich immer wieder die Frage
Warum bin ich nicht in Hollywood?

Susan Cheryl weiß es auch nicht.

+ Mein erstes Portrait.




Im Sender herrschte ein angenehmes Klima, freundliches Arbeiten, aseptische Ruhe, die nahenden Kämpfe gehörten zur Desinformationsstrategie der Regierung, unterstützt und verbreitet vom Ministerium für Sicherheit, der Sender hatte seine Unabhängigkeit bewahrt. Das angenehme Klima wollte sich auch nicht von dieser Privatpanik aufstören lassen, und so setzte allmählich Beruhigung ein, die Systeme reagierten, die Gegenmittel kamen an.

Am Abend wollte er Emma kontaktieren, ein schneller Anruf im Treppenhaus, unter den Füßen schwarze Fliesen. Aber noch lag er auf der Pritsche in der Umkleide und hörte Musik. Es war noch eine Stunde totzuschlagen vor erneutem Sendebeginn. Alles war aufgebaut. Die Kollegen lasen Videotexte im Aufenthaltsraum. M. dachte, wie es wäre, eine On/Off-Beziehung zu führen. Über Geschlechtspech und die ständigen Statuswechsel. Sein Wunsch, eine Maschine zu werden. Begehrt zu sein.

Jemand kam herein, öffnete einen Spind, holte ein grünes Handtuch heraus, schloss ihn wieder. Dass der Mythos der Handlung immer noch so stark und wirkmächtig ist. Oder der des Konflikts. Oder der der Fortentwicklung. Auf den Spindtüren klebten Abziehbilder von Schauspielerinnen. Ein Kollege näherte sich, zwei Blicke, ein nüchterner Blick von oben, ein erschrockener von unten. M. nahm einen Ohrstöpsel heraus und lächelte freundlich, dann folgte irgendein Kommentar. Ein Schmetterling, der ihm aus dem Mund stieg. Er flatterte am Kopf des Kollegen vorbei. Der nickte. M. steckte den Stöpsel zurück ins Ohr. Früher war das Leben auf den Bildschirmen aufregender als das eigene. Keine Ahnung, ob es inzwischen umgekehrt war.






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