Samstag, 30. Juli 2016

Sie contributen hier

Techno ist immer dann die schrecklichste Musik der Welt, wenn sie laut durch die Zimmerdecke von oben aus der Nachbarswohnung kommt.
Disco Moron Effect.
Korrelate.

Ich komme mir da immer ein wenig wie in den siebziger Jahren vor. Ehen und Seitensprünge, bunte Hemden, schicke Autos.

Ich muss nur schnell aufs Pferd springen.

Zur Geisterstunde schlossen sich die Türen. Das übliche Procedere. Der Club, von außen eine einfache Bar im Süden der Stadt, war jetzt wie abgeriegelt. Niemand kam mehr rein, niemand mehr hinaus. Die Außenwelt hörte auf zu existieren. Die Welt draußen fand nicht mehr statt, die weißen Büros, Ablage und Korrespondenz, Outbound-Anrufe, Besorgungen, Faxgeräte, E-Mails, selbst die Mobiltelefone waren stumm geschaltet, nur selten schaltete sich ein Zwitschern in die Musik ein, ein Bellen oder sonst ein Geräusch, das für einen Klingelton herhalten musste.

Auch die Leichen waren vergessen. Die zusammengeschossenen Opfer auf den Fotos, der Freund, die Freundin, die Professionelle, ich hatte sie noch am Morgen auf der Titelseite gesehen, geschluckt und mich schuldig gefühlt, obwohl ich nichts mit den Fotos zu tun hatte. Aber es war meine Zeitung. Die Zeitung, für die ich arbeitete. Und ich hatte den Bericht geschrieben. Deshalb war ich hier genau an der richtigen Stelle, in dieser Variation einer Unterwelt, wobei sich die Frage stellte, inwiefern Unterwelt heutzutage überhaupt noch funktionierte. Die Abwesenheit von Sicherheit und Kontrolle, das war es bestimmt nicht, eher die Abwesenheit von Stil und Geschmack, aber da sprachen vielleicht nur meine Vorlieben aus mir. Schon Jason sah das alles ganz anders. Die Abwesenheit von Sinn und Geschäftigkeit, auch über diesen Gedanken konnte man hinsichtlich der Unsummen, die hier für Pulver und Gifte über den Tisch gingen, nur milde schmunzeln. Die Pulver und Gifte sprachen für das Wesen einer Unterwelt, aber diese Unterwelt zog sich längst durch alle Schichten der Republik, bis hinauf in die Managements. Die familiären Strukturen wurden aufgelöst, man sprach zwar noch von Familie, aber sie war längst zersetzt worden. Die Männer übernahmen die Drecksjobs, die Frauen die, die mit Sperma und Überzeugung zu tun hatten, obwohl sich auch das zu ändern begann, wie man an Edith und Ondine sehen konnte. Es gab Killerinnen, weibliche Tötungsmaschinen, es gab unendlich viele Geschlechter, es gab unendliche Migrationsströme, Klimakonflikte, neue Armutsgrenzen, es gab einfach alles. Es gab den Schmuddelfaktor, die Illusion und die Sauberkeit. Es gab den Hang zur Selbstzerstörung, der uns allen zu eigen war.

Da gibt es noch zwei Problemgedichte. Eins davon ist

Ariel, Tonabnahme


Weißlicht, harte Kontrastmittel
im Takt der Geldzirkulation
im Interimskaufhaus, in der Systemgastronomie
im Rhythmus der Finanzströme

Ein falsches Konzert, eine Blasebalgmaschine
Einleuchtende Stimmen, der Raum vibriert
Die weiße Königin tanzt zum Klang der Gegenwart
Wart und Gegenwart

Sie muss sterben lernen

Ihre Abscheu vor Müttern
ist eine Abscheu vor mütterlichen Gesten
die nicht sie meinen
Eine schöne Wut, eine zerhackte Musik

Das ist kein Pop, das sind
Orgelpfeifenberge
Da ragt ein Bein aus der Steilwand
Es schmeckt wie der Lauf einer Pistole

Sie muss sterben lernen
Scheine weiter, gechilltes Herz

+ Fußball 1 und 2


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen