Samstag, 2. Juli 2016

Konfliktnamen

Das übergewichtige Selbstverständnis einer Dame, der alles zugefallen ist, die sich alles einverleibt hat. Beuteschema des Manns: Eigenes Alter durch 2 plus 8.

Jahrelang dachte ich, dass mich die französischen und italienischen Filme der sechziger Jahre gerettet hatten. Doch dann ging mir auf, dass sie mir mehr geschadet hatten als dass sie mich retteten. Sie erzählten von einer besseren, erwachseneren, gleichzeitig spielerischeren, romantischeren, schöneren Welt. Einer Welt, einem Leben, das im Hier und Jetzt für mich völlig unwahrscheinlich war.
Vielleicht lebte ich einfach im falschen Jahrzehnt.
Gleichzeitig wollte ich das nicht. Ich wollte in der Gegenwart leben.
Nur, die Gegenwart - gar nicht die Zeitumstände, sondern die Leute darin: machten es mir schwer.

Hosenkauf: Schon wieder eine Nummer weiter. Ich verstehe die Ablehnung des Neuen nicht.

Die Bücher: Der Hugendubel unten im Karstadt ist gut sortiert, und seit jüngstem lockt sogar eine Sofawelt. Ich schlich um die Stapel herum, denn eigentlich war ich wegen den Hosen hier, aber ich hätte gleich wieder mit mindestens zwei Büchern herausgehen können (und wann und wie soll ich die lesen?): Erzählungen von Bolano, neu bei Hanser, und auch der Essayband von J. Franzen, den ich in der Hand hatte, begann mich gleich zu interessieren: "Anleitung zum Alleinsein" ist ein guter Titel, und das Kapitel, das von seiner Depression und seinem Writer's Block erzählte, und seinem überhöhten Fernsehkonsum, zog mich gleich in den Bann. Aber ich ließ es dann doch da. Stapelt sich ja schon alles hier. (Aber vielleicht komme ich auf diese beiden Bücher noch zurück.) 

Micky Maus im Karstadthaus: Wäre auch ein schöner Textname. Damals, vermutlich Ende der siebziger Jahre, war das eine Werbeaktion, die u.a. bei Karstadt in Kleve stattgefunden hat; im Karstadt von Emmerich (der sich, wie die meisten Geschäfte in dieser Stadt, nicht lange hielt) gab es Werbeaufkleber, von denen ich einige mit nach Hause nahm. (Nein, ich habe keine mehr.) Ich habe eine vage Erinnerung an - Schallplatten (die gab es dort), an diese Aufkleber, an einen Einkauf mit meiner Mutter.

"Ich mag es, wenn Sie sanft sind."

"Demnach bestimmen überwiegend Studierende mit bildungsbürgerlichem Hintergrund den von Merkel kritisierten »Diskurs« über kulturelle und identitätspolitische Themen, der aus seiner Sicht zu viele Tabuzonen hat. Die »junge Linke« neige zum Beispiel dazu, »entgegen einer aufklärerischen oder marxistischen Tradition der Religionskritik« den Islam unter »Immunitätsschutz« zu stellen und Kritik an ihm »unmittelbar als ›rechts‹ oder als ›Phobie‹ zu brandmarken«. Wer hier differenzieren will, muss demnach erst »drei Minuten ein Bekenntnis« ablegen, dass er »kein Rechter, nicht xenophob ist und auch für offene Grenzen ist«."

Es muss um Liebe gehen, und nicht um Ersatzbefriedigung. Es muss darum gehen, den Schmerz zu überwinden, die Trauer zu bearbeiten, sie zu unterscheiden von der anderen Trauer. Es steckt so viel Liebe in den Dingen, es steckt so viel Liebe in meiner Arbeit, irgendwann muss sie angenommen werden, ansonsten ist die Liebe verfehlt, findet kein Gegenüber. Die Trauer über eine verlorene Liebe, die Trauer über die Vergeblichkeit allen Tuns. Ich suche immer nach der Verbindung. Bin ich in einem Raum, in einer Konditorei, in einer Gymnastikstunde, in einer Redaktionskonferenz, in einem Bus, suche ich nach dem nächstbesten jungen Gesicht und versuche, eine Verbindung herzustellen. Manchmal sehe ich Verbindungen, wo keine sind. Ich erkenne eine Frau in einem Werbespot, die ich vor Tagen noch in einer Bar angestarrt hatte. Ich erkenne eine Frau auf einer Webseite, die ich vor Tagen noch in einer Buchhandlung gesehen hatte. Ich spreche ein Mädchen in der Gymnastikstunde an, es stellt sich heraus, sie ist vierzehn. Ich hatte eine Verbindung gesucht.

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