Samstag, 16. Juli 2016

Heimsuchung

Loslassen, heißt es immer wieder und überall. Loslassen jetzt. Jetzt loslassen. Nun lass schon los. Aber wie geht das nochmal, loslassen?

Heimsuchung eines Planeten, es geht um Optionen. Es muss mehrere, es muss viele Optionen geben, ansonsten verengt sich die Welt, verengt sich auf einen unüberwindbar scheinenden Schmerz.

J. legt ihr rechtes Bein über die Beine ihrer Freundin.
Die Strumpfhosen werden auch immer dicker und dichter.

"Willst du Lakritz?"
"Nein, das ist nicht so mein Geschmack, nicht so richtig."




Innere Eva
Harmonischer Hedonismus (Ph. Roth)
Sie ist so hübsch nervös, sie fuchtelt mit den Händen, wenn sie redet, sie malt ihre Zettel voll, wenn sie zuhört
Kaum ist ihr Freund anwesend, sinkt ihr IQ um mindestens 20 Punkte
Man könnte sagen: Sie verwandelt sich in eine 16-jährige, die für einen 12-jährigen schwärmt
Infantilismus
Aber sie kennt keine Einsamkeit
Ich könnte kotzen vor Einsamkeit
Ich kotze im Strahl
Einbruch des Realen
Interne Eva


Ein zweites Treffen. Eine Kerze wachst auf einen Tisch, auf dem zwei grüne Bierflaschen stehen. Eine Situation, wie sie schon oft beschrieben wurde, jetzt steckt Alice in ihr fest und weiß nicht recht, wohin mit sich. Ihre Finger sehen krumm aus. Sie tragen keinen Schmuck. Jazzmusik penetriert den Raum, andererseits ist niemand hier attraktiver als sie, was in anderen Räumen anders wäre, auch das Fehlen von Bildschirmen fällt auf. Alice trinkt etwas, redet viel, raucht französische Zigaretten,
sieben bis acht in knapp zwei Stunden. Sie weiß nicht, wie sie aus dieser Situation wieder herauskommt, ob sie das überhaupt möchte, oder ob eine Situation automatisch automatisch auf die nächste folgt: Nach der Café-Szene kommt eine Straßenszene, aber dann? Eine Taxi-Szene, eine Szene in der U-Bahn? Ein französischer Film mit dem ersten Kuss auf dem Rücksitz? Oder Hollywood mit der Berührung der empfindlichsten Stelle draußen an einer Hauswand? Eine deutsche Komödie mit einem schlecht beleuchteten Treppenhaus, einem Gewühl nach Schlüsseln, einer hingezogenen Verlegenheit. England, Sozialdrama, hart an der Wirklichkeit, und also nichts von alledem, nur die Kargheit einer Studentenwohnung. Die Frage ist, ob man selbst bestimmt, wie es weiter geht. Sie macht einen verbalen Schritt nach vorne, weil sie nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Ein deutscher Film mit einer Taxifahrt in einen tristen Stadtteil, und was das für ein Kuss ist, weiß sie nicht, aber er fühlt sich gut an.

Auch schon nicht mehr existent, da abgebrannt: Der Ort, an dem ich das Schmatz zum ersten Mal sah

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