Freitag, 3. Juni 2016

Sandpaläste

Sie liebt ihn. Erwähnt man seinen Namen in seiner Abwesenheit, schaut sie reflexhaft auf ihr Handy, um zu checken, ob er sich vielleicht gemeldet hat.

Es ist ungewöhnlich, jemanden zweimal kurz hintereinander in der U-Bahn zu sehen.

Als sie mich zum ersten Mal gesehen hat, hat sie mich angelächelt, wahrscheinlich, weil sie mich für potenziell irgendwie wichtig hielt.

Ich höre alte Musik im Wohnzimmer. Ich feile am Text, dessen Bezüge mir fehlen. Es liegt keine Erwartung in der Luft, zumindest nicht in dieser Stadt. Unablässig pfeifen Spatzen irgendwo hinter den nassen Blättern vor meinen Fenstern. Ich lege die nächste Platte auf. Dauerregen, Berliner Realitäten, Putz- und Badetag. Zweimal fliegt im Bad die Sicherung raus. Ich denke über die Spinnerten nach. Über die qualifizierten Girls. Die Urlaub auf dem Bauernhof machen, oder in Nepal, und nicht von den Pferden lassen können. Die nicht an die Schulmedizin glauben, sondern lieber von Buddhismus faseln, und von den Selbstheilungskräften der Natur. Die katholischen Mädchen, die irgendetwas suchen, was sie in der Jugend verloren haben; die verspätete Widerstände gegen ihre verstorbenen Väter ausleben. Die mit dem intakten Elternhaus, die Bayernfans sind und oberflächliche Popmusik für einzigartig halten. Die nicht lesen. Die sich nicht für Literatur interessieren.


Die Balkontüre öffnet sich und heraustritt ein junger Mann, der sich eine Zigarette anzündet. Der glühende Blick. Er macht das im Dunkeln. Er raucht, sieht vor sich hin, hält sich die Jacke zusammen, weil ihm friert, dann drückt er die Zigarette aus und kehrt in sein Zimmer zurück.

Es ist so: Ich will ja gar keine Kinder, aber es gibt Frauen, die ich schwängern würde.
Logischerweise müssten Frauen Linkshänderinnen sein, und Männer Rechtshänder. Händisch.
Es ist einfach: Ich will eine, die ich will.

"Chronisch-entzündliche Dauererkrankungen haben viele Gesichter."

Ein Buch, das ich interessanterweise zum zweiten Mal lese: "Ein fliehendes Pferd" von Martin Walser. Ich kann mich an die erste Lektüre nicht mehr erinnern, sie fand in der Schule statt, irgendwann. Aber ich könnte schwören, dass die Anmerkungen mit Bleistift von mir stammen. Ich habe die gleiche Ausgabe für 2 Euro im Antiquariat erstanden. Es könnte wirklich meine Ausgabe sein, die ich vor Jahren irgendwohin verkauft habe. Aber es ist doch eine andere: Die gedruckte Preisangabe in Euro verrät es. Die gab es 1988 noch nicht. Ein überraschend gutes Buch, das ich als Schüler wohl noch nicht verstehen konnte. Schöne Sprache, guter Konflikt. Lustig auch, dass sich mein Deutschlehrer hier zu so einer Selbstkritik getraut hat.

+ Hier gibt es die "Originaltöne" zu hören, die ich für das Deutschlandradio Kultur gemacht habe.

+ Die Kurzgeschichte EINE AFFÄRE MIT DER WIRKLICHKEIT ist jetzt auch online.



Jeden Abend kurz vor Mitternacht: die Nationalhymne. Sie läutete den Tag aus. Darauf konnte man sich verlassen. Jetzt würde in Kürze, mit den Nachrichten, ein neuer Tag beginnen.

Juni 2007:
1.6. Dolphins in der Zentralen Randlage. 2.6. Hochzeit B. und E. 3.6. Scout Niblett. 4.6. Joseph-Roth-Diele, Kino: Prinzessinnenbad, Würgeengel. 5.6. Hackbarths. 6.6. Smashing Pumpkins in der Columbiahalle. 7.6. Bateau Ivre, Kinski. 8.6. Köln. Rathenauplatz. 9.6. Biergarten, Fiffi Bar. 10.6. Kino: The Host, Stadtgarten. 11.6. Stadtgarten. Düsseldorf-Benrath: Lesung. Lindenhof. 13.6. Berlin, Lombardo. 16.6. Mysliwska. 17.6. Kohlenquelle. 20.6. Lesung Kulturhaus Mitte. Caribou. Kinski, Freies Neukölln. 22.6. San Remo. 24.6. Bateau Ivre. 25.6. Klez.E + Blonde Redhead im Postbhf. 26.6. Kino: Inland Empire, Hubertus Lounge. 28.6. Zahnarzt. 29.6. Mysliwska. 30.6. Lombardo.

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