Samstag, 11. Juni 2016

Aquarust

Das Schloss der Nationalmannschaft, die EM als Fiktion.
Wie üblich die beklagenswerte Sommerschuhmode in den Straßen.
Mein balkanisiertes Ich und die integrierten Migranten, die rechts wählen.
Bürokraten vs. Intellektuelle.

Die lauwarme Luft, der Geruch nach gegrilltem Fleisch, die weißen, jetzt verschatteten Häuser, die immer noch die Hitze des Tages atmeten. Das Fett, das Fleisch, die aufatmende Haut, Salzwasser und Sonne, und das englische Bier, ich war irritiert. Ich war irritiert, dass die junge Engländerin, vielleicht 16, nicht mich meinte, mich nicht mehr meinen konnte (als ob sie es je gekonnt hätte!), denn ich war verschwundenen in einen allmählich beleibten Körper (dad bod) eines Anfangvierzigjährigen, während sie hier ihrem 16-jährigen Freund gegenüber saß, der über einen Bildschirm das Spiel von ManU verfolgte, während sie über seine Schulter hinweg auf einem anderen Bildschirm dasselbe Spiel sah, und mein Kumpel und ich saßen und aßen und ich staunte über die Vergänglichkeit und die Sehnsucht und den Skandal, soetwas auf diese Art nie wieder erleben zu können. Dann standen die beiden Teenager auf und verschwanden in die Nacht.


Sie hat eine kleine Zunge, die außerdem noch spitz ist. Sie führt lispelnde Zungenküsse aus.
In der Orthopädie herrschte dicke Luft. Ein junger Poser an der Spitze der Schlange vor der Rezeption erbat sich Diskretion.
Mir gegenüber saß eine Frau, die ihren Schlüsselbund an einer Schlaufe um den Hals trug. 23 Schlüssel, mindestens. Mintgrüne Socken in schlabbrigen, abgetragenen Sandalen. Hängebauch, Hängetasche, Ende 50, Ende des Lebens.
So endet es dann.

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