Dienstag, 17. Mai 2016

Kältezentrale

Wenn niemand da ist, wenn niemand zuschaut, küsst sie mich auf den Mund.
"Als meinen Freund mag ich ihn sehr, als ihren Freund halte ich ihn für einen Trottel."

Aus dem Zusammenhang gerissen, Katja K.: "Beide Romane beschäftigen sich ... mit einem Knackpunkt der mittleren Jahre: mit dem nicht immer ganz leichten Übergang vom Leben als “Entwurf” (...) – hin zum Leben als “So ist es nun also” (zur Anerkennung des Faktischen, dessen, wozu die farbenfrohen Entscheidungen jüngerer Jahre also geführt haben, und zu Überlegungen, wie man sich im Weiteren dazu verhalten, was man fortan damit anfangen könnte)."

Aber ich dachte gar nicht daran, mich zu verlieben. Aber am Ende musste es um Liebe gehen, und nicht um Ersatzbefriedigung. So stand es geschrieben. Es musste darum gehen, den Schmerz zu überwinden, die Trauer zu bearbeiten, sie zu unterscheiden von anderer Trauer. Wichtig war die Unterstützung durch das eigene Umfeld, wichtig war, einen Ausgleich zu schaffen, wichtig war, sich zu entspannen. Sich langsam hinzustrecken und zuzulöten, vielleicht.

Eine Frau mit ängstlichem Hund kam mir entgegen, sie grüßte nicht. Ihr Hund, ein kleiner, flokatiweißer Mischling, machte ein wetterfestes Gesicht. Die Frau summte ein Lied, das ich irgendwoher kannte, aus einem dieser Radiosender, die in billigen Pizzerien liefen. Alles, was man braucht, ist Liebe. Ach ja, es steckte so viel Liebe in den Dingen. Sie musste nur angenommen werden, ansonsten war die Liebe verfehlt, fand kein Gegenüber, lief ins Leere, versiegte, endete.

Ich suchte immer nach Verbindung. War ich in einem Raum, in einer Konditorei, in einer Gymnastikstunde, in einer Redaktionskonferenz, in einem Bus, suchte ich nach dem nächstbesten jungen Gesicht und bemühte mich, eine Verbindung herzustellen. Manchmal sah ich Verbindungen, wo keine waren. Ich erkannte eine Frau in einem Werbespot, die ich Tage zuvor in einer Bar angestarrt hatte. Ich erkannte eine Frau auf einer Webseite, die ich vor Tagen in der Buchhandlung gesehen hatte. Ich sprach ein Mädchen in der Gymnastikstunde an, es stellte sich heraus, sie war vierzehn. Ich hatte eine Verbindung gesucht.



Hier müssen wir noch mal ran:

Ruhm, Freundin, Kohle ohne Ende


Schillerndes Revers, gut hängendes Wetter
zwischen Düsseldorf und Köln, andere Orte
schienen ungesichert: Dusche, Dortmund

Das Event ausgeholt, abgefahndet, löste
Schmerzen im Empfinden aus, die Rufnummer
der Niveaupolizei, die emotionale Kontrolle

schlug Fehlalarme, Delirium, Dominikanische
Republik, die Welt war eine einzige Buffering
Zone, ein unwesentlicher Puffer, wir hatten

Empfangsdamen, Züge von Eltern, siehe
Früheres, als Breite, den Vorplatz als Mitte
beurteilt, bevor man uns Verwünschungen

vorhielt: Hauptstadthass, diese scheiß Sehnsucht ...
Nachteile von Stars, sagtest du, alles wie im Fernsehen
und phantasiertest weiter von Ruhm, Freundin, Kohle

ohne Ende: Diabolisches Antanzen, Hipster
realitäten und Regen wie Trommelfeuer, alles getragen
von einem leidenschaftlichen Verhältnis


Mindestens für die unterstrichenen Wörter sind noch andere zu finden.
 

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