Donnerstag, 19. Mai 2016

Der konstruktive Schmerz

Sie haben Babyfotos als Bildschirmschoner auf ihren Handys
Ich komme aus den Selbstmörderinnen gar nicht mehr raus

Doch wieder zu private Sachen geschrieben. Ausbeutung des direkten Umfelds. Laune am Morgen ausbaufähig.


Nochmal Katja K. aus dem Zusammenhang, denn das war die Stelle, die ich eigentlich im Kopf hatte:
"Faye wird diesen Mann – sie nennt ihn immer nur “mein Nachbar” – während ihrer Zeit in Griechenland mehrmals wiedertreffen, zu Bootsausflügen, bei denen sie sich weiter unterhalten. Avancen macht er ihr durchaus irgendwann, aber halbgar, lauwarm, leidenschaftslos – was völlig in Ordnung ist, denn Faye hat keinerlei weiterführendes Interesse an diesem Mann, sie findet ihn nicht sonderlich attraktiv, und so rühren sie sich nicht an."

Und, weil es so schön ist, mal wieder ein bisschen Freud:
"... eine voll entsprechende Analogie im Seelenleben eines Einzelnen ... Dies wäre der Fall, dass jemand etwas als neu erfährt, was er auf Grund gewisser Beweise als Wahrheit anerkennen soll, was aber manchem seiner Wünsche widerspricht und einige der ihm wertvollen Überzeugungen beleidigt. Er wird dann zögern, nach Gründen suchen, mit denen er das Neue bezweifeln kann, und wird eine Weile mit sich selbst kämpfen, bis er sich am Ende eingesteht: Es ist doch so, obwohl ich es nicht leicht annehme, obwohl es mir peinlich ist, daran glauben zu müssen. Wir lernen daraus nur, dass es Zeit verbraucht, bis die Verstandesarbeit des Ichs Einwendungen überwunden hat, die durch starke affektive Besetzungen gehalten werden."
Der Mann Moses und die monotheistische Religion, 85


Immer ein Schritt vor meinem Schatten, mit einem melancholischen Lied in den Ohren. Der Sommer war seltsam gewesen und launisch. Die Frau, die ich liebte, hatte mir nach einer kurzen, heftigen Affäre eröffnet, dass sie nicht in mich verliebt sei, woraufhin ich ihr die Freundschaft kündigte. Was nur die kurze, prosaische Version dieser emotionalen Katastrophe war. In der echten Welt hatte ich ihr lang und ausschweifend während eines Spaziergangs erklärt, dass ich die Enttäuschung nicht so rasch verwinden könne, immerhin hatte ich vier Jahre um sie gebuhlt, vier lange Jahre auf sie gewartet. Von daher musste ich jetzt Abstand gewinnen. Sie nicht mehr sehen.

Woraufhin sie in Tränen ausbrach. Sie weinte. Nicht drastisch, nicht dramatisch, eher still und leise, aber ich sah die Tränen tropfen. Und wunderte mich. Wenn sie Gefühle für mich hegte, warum reichten sie nicht, um eine höhere Ebene zu erreichen? War nicht eine Liebesbeziehung der Höhepunkt jeder Verbindung?

Ich versuchte, mich an ähnliche Konstellationen zu erinnern. Ich hatte Frauen verlassen, nur um herauszufinden, was das für ein Gefühl war: Jemanden zu verlassen. Meistens wartete danach eine überflüssige Einsamkeit auf mich. Ich hatte Frauen verlassen, damit sie auch einmal verlassen wurden, aber das waren vergebliche Handlungen. Meine Nachfolger warteten schon an der nächsten Straßenecke. Die Frauen sprachen später von einer Erfahrung, die sie dank mir gemacht hatten, führten aber ihre Leben weiter, als ob nie etwas gewesen wäre. Verlassen als Strafe, das funktionierte bei ihnen nicht. Das funktionierte nur bei mir.


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