Mittwoch, 11. Mai 2016

Balisong

Radiotage.

Eine Zeit, die langsam ist wie der Deckenventilator, der schwerfällig die Luft umrührt. Eine Zeit, die fast steht, so heiß ist es. Es ist unglaublich heiß.

Bevor sie zu mir kommt, stößt sie sich den Fuß. Sie humpelt den ganzen Tag. Sie sitzt in Konferenzen und denkt nur noch an den Kühlpack, der nach Feierabend auf sie wartet. Sie sagt das Treffen ab.

Ich koche vor Wut. Ich entschuldige mich. Ich verlasse die Praxis und setze mich in die U-Bahn und verlasse mich auf die Automatismen. Aber ich fahre in die falsche Richtung. Erst Jungfernstieg komme ich wieder zu mir; ich sehe, dass das Gegengleis abgesperrt ist und dass ich eine Ebene runter muss.

Oh, bitte nicht den Prozess des Kennenlernens, bitte nicht. Bitte nicht Gespräche, sich langsam kennen lernen, irgendwas zusammen unternehmen, machen müssen, bitte nicht. Es reicht doch eine halbe Stunde, es reicht doch.


Ein Mann quetscht ein Akordeon aus. (Ich weiß nie, ob es mit einem oder zwei k geschrieben wird.)

Es ist okay, in der neuen Stufe fühle ich mich akzeptiert und aufgehoben. Mathe gibt es nicht, Mathe konnte man abwählen.

Ein Ex-Hottie, das versucht, den Schein zu wahren.

Vom Wetter bedröhnt.

Die Bedienungen trugen weiße Uniformen. Drei junge Frauen, die noch jünger waren als der Italiener, in weißen Kitteln, die ihnen knapp über die Knie reichten. Sie schienen alle gleich groß und waren mehr oder weniger blond. Sie hatten runde Gesichter und trugen ein zufriedenes Leuchten in den Augen, während sie die Kundschaft bedienten, die Mettbrötchen verlangte oder coffie met gebak. Vermutlich hatten sie gerade ihren Realschulabschluss in der Tasche und arbeiteten auf 450-Euro-Basis. Die Bedienung mit den stechendsten blauen Augen, streng zurückgekämmte Haare, die von einem Zopf gehalten wurden, und mit einer zackigen Nase, die aussah wie reingezeichnet, kam an meinen Tisch, um mir den Milchkaffee zu bringen und einen Aschenbecher. Ich sagte, ich brauche den Aschenbecher nicht, und die Bedienung, die eigentlich dunkelhaarig war, wie man in Ansätzen erkennen konnte, lächelte nicht einmal, sondern sagte, dass sie ohne Aschenbecher nicht könne, sie habe sogar einen an ihrem Bett stehen, falls sie in der Nacht aufwachte aus Lust, eine zu rauchen. Ob sie denn keine Angst habe vor Bränden, fragte ich, Feuer fangende Tapeten und all das, und sie sagte, doch, aber wenn sie rauche nachts, stelle sie sich den Wecker auf zehn Minuten später, um die Kippe dann auszumachen und weiter zu schlafen.

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